Hat der Bauer kalt im Schuh …

SZ-Redakteurin Michèle Hartmann denkt über Sinn oder Unsinn einer Fernsehserie nach.

Die Liiihibe, die Liiihiebe ist eine Himmelsmacht. Getreu diesem Verslein aus dem ,,Zigeunerbaron" (Johann Strauß) ging's am Montag wieder los: Bauer sucht Frau in RTL. Und das nun schon im elften Jahr. Ich habe wieder zugeschaut. Das ist so eine Art Fernseh-Masochismus, den mir mal ein Unterbewusstseinsexperte erklären sollte. Warum tut man sich so etwas an? Zumal die Kamera immer genau da ist, wo die flachpfeifigen Dialoge sind, und somit nichts dem Zufall überlassen bleibt. Und die immer gleiche Leier zu beklagen ist: Torsten, der starke Kuhbauer, der fröhliche Ziegenwirt Roland, der muntere Milchbauer Klaus und all die anderen Männer, die sich hier wochenlang vorführen lassen, suchen die Frau fürs Leben. Den liebevollen Rinderzüchter Christian und den tätowierten Teilzeitbauern Jörg nicht zu vergessen. Beim Scheunenfest, das die Misere einläutet, trennt sich erstmal die Spreu vom Weizen, oder, besser gesagt, die eine oder andere verschmähte Dame von den Ziegen, Hühnern oder vom Rindviech. Dann geht's zum Landwirt auf den Hof. Wo oft schon Mutti wartet auf die Schwiegertochter in spe, die vor allem dicke Arme haben sollte, um ihr beherzt zur Hand zu gehen. Schöne Aussichten! Dann wird gefuttert: Wurst, Käse, Bienenstich - bis der Wanst spannt und alle zufriedene Gesichter machen. Mal sehen, wie lange das Format in den kommenden Jahren noch durchgenudelt wird. Die ,,Lindenstraße" hat ja auch TV-Lichtjahre überlebt. Doch was soll nach des Bauern eifriger Suche schon noch Aufregendes kommen: ,,Beamter sucht Akte", ,,Messie sucht Räumtrupp", ,,Autofahrer sucht Überbrückungskabel"? Zum Abschluss noch eine Weisheit aus der ländlichen Region: Hat der Bauer kalt im Schuh, steht er in der Tiefkühltruh'.

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