Schöne Dialektwörter : Halbdackl oder Blaufahrer?

Das Hochdeutsche hat im Laufe der Jahre viele schöne Wörter hervorgebracht wie zum Beispiel Habseligkeiten. Wenn man etwas hat, das einen selig macht, ist das nicht zu verachten. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung mit 44 Buchstaben – das längste Wort im Rechtschreibduden – und die  Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung gehören eher nicht zu den schönen Wörtern.

Wohl aber viele, die es nie in den Duden oder die Schriftsprache bringen werden. Was es allein an herrlichen Schimpfwörtern gibt, mit denen man seine Mitmenschen bedenken kann! Da wären zum Beispiel Knasterbart, Schmierlapp und Nieselpriem. Oder auch Allmachtsbachl, Halbdackel und Klödderbüttl. Ebenso charmant wie einleuchtend  ist auch, wie die Schweizer jemanden bezeichnen, der unter Alkoholeinfluss Auto fährt: Blaufahrer. Das sagt doch alles. „Schnäderfrässig“ nennen die Schweizer jemanden, der sehr wählerisch beim Essen sind und vieles nicht mögen. Im Englischen würde man sie als picky eaters bezeichnen, hierzulande einfach schnägisch. Und kann man eigentlich zurückdummen? Ja, man kann. Der große Schriftsteller Siegfried Lenz beschreibt in seinem  Heimatroman „Heimatmuseum“, wie Onkel Adam allmählich „zurückdummt“, bis sich seine Frau ein Namenschildchen anstecken muss, weil er sie nicht mehr erkennt. Bundesweit Beachtung fand nun das saarländische „Geheischnis“, das es als einziges Wort unserer Region in spezielles Wörterbuch geschafft hat.  Übersetzt wird es dort mit einer Person, Sache oder Ort, der einem Geborgenheit vermittelt. Und ich dachte, das heißt viel Aufheben machen. Aber das wäre ja Fubbes...

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