Grottig – wie gehabt

Es ist Abend, der gemütliche Teil des Tages ist angebrochen. Kein Termin, keine Verabredung, dann halt mit dem belegten Brot zum Sofa. Es folgt - das blanke Nichts. Mensch, gestern ging er doch noch.,,Kein Bild, kein Ton, wir kommen schon." Freitags, zu fortgeschrittener Stunde, fällt dieser hoffnungsfrohe Slogan aus.

Und mit ihm ,,Let's dance". Verzicht aufs flotte Gezappel, auf innigen Paartanz, auf Glamour und den sauertöpfischen Dauernörgler Joachim Llambi. Statt dessen ein Raum der Stille und Andacht. Hmmm, und jetzt? Kein Problem, da liegen Bücher und Zeitschriften. Aber ohne Stimmen, ohne Sound im Hintergrund, ohne die gewohnte TV-Untermalung? Schwierig. Ganz schwierig.

Es ist ja nicht so, dass man da sitzt oder liegt und aufmerksam schaut. Das geht schon lange nicht mehr. Es sei denn, eine Sendung ist so fesselnd, dass man ihr 90 Minuten folgen möchte. Gibt's selten, selbst bei schier unendlicher Programmauswahl.

Es beginnt nun das Unvermeidliche: Entzug auf der nach oben offenen Eskalationsskala. Strammen Schrittes durchs Zimmer, auf und ab, wieder und wieder den On-Knopf drücken um feststellen, dass der Bildschirm schwarz bleibt. Sich fragen, wie das weitergehen soll. Nervös werden, dem Fernseh-Techniker aufs Band sprechen und fragen, ob er noch was auf Lager hat. Rückruf mit der Botschaft: er hat - aber keine Zeit. Jedenfalls die kommenden Tage nicht. So vergeht knapp eine Woche, bis der neue Apparat eintrifft. Just zu dem Zeitpunkt, da man glaubt, die Sucht im Griff zu haben und die neue Gelassenheit genießt.

Das Bild ist scharf, der Ton ganz prima, die Bildschirm-Diagonale 100 Zentimeter, der Herr Llambi noch immer das Jury-Fallbeil. Und das Programm so grottig wie gehabt.