Großstadt-Würste im Tofubett

Zeiten gab's, da hießen Restaurants "Schmidtchens Eck" oder "Zur schönen Aussicht", damit braucht man heute keinem mehr zu kommen. Was das für ein Konzept sein soll, würde man ob solcher Benennung fragen. Ganz einfach war das Konzept: Es ging ums Zuhören und Reden, Gesellschaft haben, kurz um Behaglichkeit. Nicht so sehr ums Essen. Was sich tragischerweise oft im Geschmackserlebnis spiegelte. Fazit: Alles absolut uncool! Heute heißen Restaurants Die Burgerei, Kalinski, The Bakery, kurz, knapp, knackig, hip. Ein Schlagwort muss her, rums! Und wer was auf sich hält, setzt noch einen Artikel davor. Quasi als Adelung für die raffiniert getroffene Wortwahl. Was sich Die Burgerei nennt, egal ob in der Saarbrücker Fröschengasse oder in Dresden, liegt voll im Trend. Da weiß man, das ist eine Institution. Da muss man hin. Das Essen wird aus inhaltlich wie optisch anspruchsvollen, absolut unwiderstehlichen Urban Food-Happen bestehen, frisch, hand- und hausgemacht, nachhaltig und natürlich aus regionalen Produkten. Das ist ein Muss, aber hallo! Schnörkellosigkeit und Schick ebenso, auch beim Mobiliar, alles klar und kühl. Weshalb so ein Laden eben nicht "Zum warmen Burger" oder "Ritas kleiner Burgerladen" heißt. Viel zu schnuckelig, deutet auf eine eher vorsintflutliche Cuisine. Stilvoll essen will man heut, in trauter Zweisamkeit mit seinem iPhone und nicht mit der Wirtin plaudern müssen. Außerdem verkaufen Restaurants gar nicht mehr nur Essen, sie verkaufen eine Philosophie, eine Lebenseinstellung. Wie das Kalinski, Wurstwirtschaft & Gin Bar. Wie klasse klingt das denn? Die haben sich nicht nur durch sämtliche saarländische Würstchen gegessen, um die besten zu finden, die kochen auch ihre Currysoße selbst und frittieren die Pommes ultrakurz, der Kalorien wegen. Mit Konservierungsstoffen ist's nix, und obwohl die ja vor allem in Wurst machen, servieren sie auch Veganes auf Tofu. Das nenne ich mal ein Angebot. Tellerrand oder Herzenslust darf ein Restaurant auch heißen, Hauptsache, die Philosophie stimmt, Wie war's noch mal? Frisch, hausgemacht, nachhaltig, regional. Genau! Ohne Philosophie wird nicht mehr gespeist. Wo hatten die früher eigentlich das Zeug her? Das Cauchemar in der Zähringer Straße ist aber perdu, trotz coolem Namen. Selbst schuld, wieso nennt man seinen Laden auch Alptraum...?

Welche hippen Namen machen Sie nachdenklich? Schreiben Sie mir eine E-Mail an

info@literaturfraktur.de.