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Geplauder mit dem digitalen Assistenten

Die Technik hat unsere Autorin im Stich gelassen. Was nun? Hilflos wendet sie sich an einen digitalen Störungs-Assistenten. Kein Problem, antwortet der. Er verspricht ihr sofortige Hilfe. Dieser elende Lügner. Ruth Rousselange

Fällt die Technik im Büro aus, was ist das? Richtig, eine Katastrophe! Das ist überall auf der Welt dasselbe, egal ob in Saarbrücken oder sonst wo. Ich komme gut mit Technik klar, solange sie funktioniert. Tut sie es nicht, werde ich wütend, weil hilflos einem System ausgeliefert, das empfiehlt: Kontaktieren Sie Ihren Anbieter.


In diesem Fall den von Festnetz und Mails, denn die haben sich verabschiedet. Ich bin abgeschnitten von jeglicher Form realitätsnaher Kommunikation. Das ist erstens schaurig und zweitens ungünstig, meine Arbeit kann so nicht sinnführend vonstatten gehen. Zum Glück verfügt mein Anbieter über einen digitalen Störungs-Assistenten, dem man schreiben soll, tritt ein Problem auf. Der ist von der mitfühlenden Sorte. Er beruhigt mich, als ich mich melde. "Keine Sorge. Wir helfen Ihnen, damit ihr Anschluss bald wieder reibungslos funktioniert."

Ich bin nicht besorgt, ich bin verärgert. Ist ja nicht das erste Mal, dass meine Mails nicht funktionieren. Ich soll mein Problem schildern, das tue ich: "E-Mails können nicht versendet werden." Darauf antwortet er: "Sie haben Probleme mit Ihrem E-Mail-Konto? Keine Sorge." Es ploppt ein Button auf, das schnelle Hilfe bei Mail-Problemen verspricht und das man anklicken soll. Mache ich: "Kein E-Mail-Versand möglich", schreibe ich. Als Antwort kommt: "Sie haben Probleme mit Ihrem E-Mail-Konto? Keine Sorge." Langsam fühle ich mich etwas veralbert und überlege, was ich mir heute Morgen statt der Milch versehentlich in meinen Kaffee geschüttet haben könnte. Ich bin nicht mehr verärgert. Ich bin erzürnt! Ich frage, wie oft ich mein Problem noch schildern soll, bevor ich eine brauchbare Antwort erhalte. Zurück kommt: "Es tut uns leid, wir haben Ihre Frage nicht verstanden."



Darauf werde ich unflätig. Mir wird geantwortet: "Das klingt sehr negativ. Wir sollten uns jetzt darum kümmern, Ihr Problem schnell zu lösen." Ich werde gefragt, wo mein Problem liegt. Bevor ich etwas Unüberlegtes tue, beschließe ich auf dem Markt einen Kaffee zu trinken. Obwohl mein Adrenalin-Level gerade keine Steigerung nötig hat. Als ich wieder im Büro bin, blinkt auf dem Bildschirm: "Wie können wir Ihnen behilflich sein? Kann es weitergehen? Sind Sie noch da?" Wir haben da doch irgendwo diese Werkzeugkiste mit dem ziemlich schweren Hammer…