Für Woodstock war Frank Kohler zu jung, aber Originale von damals kommen

Kolumne So kann’s gehen : Für guten Rock ist es nie zu spät

Was für Bilder. Musiker, die ihre Lieder nicht nur singen, nicht nur spielen, sondern alles hineinlegen, was sie haben. Ich gucke die Aufnahmen von damals und bin hingerissen. Von Joe Cocker zum Beispiel.

  Bejubelt wie The Who von Fans, die im August 1969 selbst Geschichte geschrieben haben. Friedlich, begeistert, ausgelassen machten sie die Tage von Woodstock zu einem Höhepunkt in der Geschichte der Rockmusik. Ich war damals viel zu jung, um zu begreifen, dass da jenseits des Großen Teiches Großes vor sich ging. Und zehn Jahre später wäre ich zu zerstreut gewesen, um Veranstaltungen jenseits meines Heimatortes ohne größere geistige Kraftakte aufzusuchen. Das war in jener Zeit, als ich ständig auf der Suche nach wichtigen Dokumenten durchs Haus irrte, fassungslos beäugt von den Eltern und den beiden Schwestern. Nicht einmal mein Abizeugnis war vor meiner Zerstreutheit sicher. Wie sollte ich da größere Reisen planen und die notwendigen Dokumente griffbereit halten? Und die Who kamen nun mal nicht nach Elversberg in die Glückauf-Halle. Auch nicht auf die kleine Fläche an unserem Aussichtsturm, die dem ein oder anderen Freiluftkonzert vorbehalten war. Jetzt ist das Stelldichein der Rockgiganten ein halbes Jahrhundert her. Die Planer des Altstadtfestes holen immerhin Musiker in die Stadt, die mit ihrem Programm den Woodstock-Stars huldigen. Da hätte ich’s also nicht weit, wenn ich mal direkt vor einer Bühne wissen will, wie das in Woodstock so in etwa klang.

Sollte das nicht reichen, ist im Jubiläumsjahr noch mehr drin. Denn Originale von damals kommen  ja auch nach Deutschland: Ten Years After mit Rick Lee und Chick Churchill. Damit nicht genug: Miller Anderson und Mountain sind ebenfalls im Lande.

Ach ja, ein richtig Großer kommt überdies in die Stadt, selbst wenn der nichts mit Woodstock zu tun hat: Ian Anderson. Noch ’ne Möglichkeit, musikalische Bildungslücken zu schließen. Für guten Rock ist es nie zu spät.

Mehr von Saarbrücker Zeitung