Fruchtbares Chaos?

Was chaotisch begonnen hat, wird binnen kurzer Frist gut. Oder wenigstens besser: Dieses Fazit lässt sich mit Blick auf den Luisenthaler Bahnhof ziehen. Da hat die Deutsche Bahn zwar ziemlich alles versäumt, was in Sachen Kommunikation von einem modernen Groß-Unternehmen zu erwarten ist. Sie hat die Anwohner ohne Vorwarnung mit Baulärm am Wochenende und sogar zu nachtschlafener Zeit genervt, hat ihre Fahrgäste - alles andere als kundenfreundlich! - mit gesperrten Gleisen und "Schienenersatzverkehr" überrascht. Immerhin: Die Schaffer, die im Bahn-Auftrag ans Werk gingen, haben in nur einer Woche einen massiven Sicherheitsmangel beseitigt; die viel zu schmalen Passagen zwischen Treppen-Überbau und Gleisen sind breiter, sicherer geworden.

Ob man das als Omen nehmen darf für Völklingens Innenstadt? Das Gezerre um den Abriss der Kaufhof-Ruine, das - einmal mehr! - den Neuanfang in der Stadtmitte verzögert hat, ist beendet. Der Auftrag ist vergeben, die Abbruchfirmen können anfangen. Trotz Start-Verzögerung werde die Ruinenlandschaft im Herzen der Stadt pünktlich Ende April 2017 verschwunden sein, versichert Oberbürgermeister Klaus Lorig . Wenn er Recht behält, wäre die unendliche Geschichte um den Kaufhof endlich vorbei. In der Stadtmitte ließe sich eine neue Geschichte erzählen, mit neuen Akteuren, neuen Impulsen, nach denen sich die Völklinger seit Jahren sehnen.

Doch der Rathauschef, lange für vollmundige Ankündigungen gut, ist vorsichtig geworden. Die Firmen, die nun abreißen sollen, hätten "glaubhaft und nachvollziehbar" dargelegt, dass sie den Job schaffen, sagt er. Aber: "Garantien hat man nie." Wasser auf die Mühlen der Skeptiker, die ans Verschwinden der Ruinen kaum mehr glauben mögen. Doch da ist Luisenthal; wer hätte noch vor vier Wochen gedacht, dass sich da was täte? Chaos gebiert Neues: Das ist eine geradezu biblische Denkfigur.