Freundschaft aus der Sprühdose

Was tut man bloß, wenn die Chemie nicht stimmt? Ein Mediziner-Tipp lässt Angelika Fertsch von zwischenmenschlicher Harmonie träumen.

Sorgenvoll legt die Tierärztin die Stirn in Falten. Unser Kater Maxi vertrimmt allmorgendlich seine Konkurrenz, Mitbewerberin um Streicheleinheiten und Futter, die Katzendame Sputnik. Dabei ist die wahrscheinlich sogar seine Tochter, was Maxi aber nicht juckt.

Nur die Tierärztin findet, dass es so nicht weitergehen darf. Und hat eine Lösung parat. Sie greift in ihren Schrank und kommt mit einer roten Schachtel wieder. "Feliway friends" steht da drauf, "für ein harmonisches Zusammenleben der Katzen zuhause".

Dieses neue Superwunderprodukt, versichert sie, hilft garantiert. Es ist eine Nachbildung des natürlichen Pheromons, eines Botenstoffs, der Informationen zwischen Individuen überträgt. Tiere produzieren diesen Botenstoff in kleinsten Mengen, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Tiere der gleichen Art stark beeinflusst. Wenn Katzen sich also buchstäblich nicht riechen können oder ein neuer Bewohner die Bühne betritt, sorge das künstliche Pheromon aus dem Zerstäuber für neue Kuschelfreundschaften. Prima, denke ich und kaufe das Teil. Schade eigentlich, denke ich auf dem Heimweg, warum gibt es das soziale Kittmittel nicht auch für Zweibeiner? Eine Nachbildung des menschlichen Freundschaftshormons Oxytocin würde die Weltordnung auf den Kopf stellen. Ein Zerstäuber im Oval Office im Weißen Haus installiert - nicht auszudenken, mit wem Donald Trump alles kuscheln würde. Oder Szenenwechsel nach Berlin: Seehofer würde - frisch besprüht - Merkel in die Sommerferien zu sich nach Hause einladen. Oder direkt vor der Haustüre: OB Klaus Lorig und Klaus Degen von den Linken verabreden sich zum gemeinsamen Fernsehabend "Klaus & Klaus". Lieblingsfeind wird Lieblingsfreund. Aber was träume ich. Letztlich wäre soviel Harmonie doch quälend langweilig, oder?

P. S. Habe Feliway immer noch nicht gesprüht. Maxi verhaut Sputnik jeden Morgen.