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Frank Kohler las den Hilferuf einer Friseurin und kann ihr nicht helfen

Kolumne So kann’s gehen : Haariges Angebot

Es gibt Ersuchen, bei denen Frank Kohler beim besten Willen nicht helfen kann.

Die Apotheke in Alt-Saarbrücken stellt eines ihrer Schaufenster für Veranstaltungen in der Region bereit. Ich erfahre: Die Band von Amy Winehouse kommt nach Echternach, um die Erinnerung an die früh Verstorbene wachzuhalten. Auf die Volkshochschule macht ein Plakat mit einem freundlich dreinblickenden Menschen aufmerksam. Ich schlendere ein paar Schritte, entdecke die Möglichkeit, freitags mit einer Auszeit in der Christkönigkirche entspannt das Wochenende zu beginnen. Ein weiteres Plakat am Fenster weist auf die Saarbrücker Jazz-Zeit hin. Fast alles zieht mit Bildern, Schriften und auffallenden Farben Blicke auf sich.

Nur ein Din-A4-Blatt ist schlicht gehalten. Meine Augen bleiben trotzdem am Ende des Textes hängen. 50 Euro für Auslagen verspricht er. Dazu gesellt sich eine Telefonnummer. Jetzt arbeitet mein Blick sich von unten hoch. Ein interessantes Verfahren, das mir des Öfteren Aha-Erlebnisse verschafft hat. Folgende Informationen fließen ans wissbegierige Gehirn weiter: Da braucht jemand offenbar ein Modell für eine Prüfung am zweiten Februarmontag. Noch ein paar Zentimeter höher ist die erste Zeile erreicht. Und der Punkt, an dem ich endgültig ausscheide. Die Friseurin sucht einen Herrn mit vollem Haar. Mir bleibt nur, weiterzugehen, während eine Brise über die nackte Kopfhaut weht, und der Hilfesuchenden viel Glück zu wünschen. Zum einen bei der Suche nach einem Modell mit ausreichender Haarpracht. Zum anderen bei der Frisur, die den Herrn überzeugen möge. Und die Prüfer.