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Fing es mit Hähnchenknochen im Bier an?

James Bond begleitet mich seit meiner Jugend. Eine meiner Bond-Lieblingsszenen ist die, in der Daniel Craig in „Casino Royale“ auf die Frage eines Barmixers – nämlich „Geschüttelt oder gerührt?” – antwortet: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“ Martin Rolshausen

Sebastian kann es sich nicht so richtig erklären. Vielleicht, mutmaßt er, müsse der Mann anschließend noch jemanden erschießen und brauche eine ruhige Hand. Der Mann, über dessen Trinkverhalten sich Sebastian gelegentlich Gedanken macht, ist James Bond.

Der mag seinen Martini bekanntlich "geschüttelt, nicht gerührt". Das wiederum wundert Sebastian. Der Mann beschäftigt sich nämlich seit einigen Jahren beruflich mit Cocktails und arbeitet als Bartender in der "Baker Street", dem Pub in der Mainzer Straße im Saarbrücker Stadtteil St. Johann.

Ob man nun Wodka mit Wermut, wie Bond es mag, oder Gin mit Wermut, wie es Sebastian bevorzugt, mischt: Beim Schütteln löst sich mehr Eis in den Spirituosen auf als beim Rühren, erklärt Sebastian. Der Cocktail wird dadurch also wässeriger. Schütteln sei nur dann sinnvoll, wenn sich die Bestandteile nur schwer vermischen lassen. Der Dry Martini sei aber ein Drink, bei dem Schütteln nicht nötig sei, um die Bestandteile perfekt zu mixen.

Warum James Bond dennoch lieber schütteln als rühren lässt, ist nicht das einzige Cocktail-Mysterium, das Sebastian seinen Gästen gerne unterbreitet. Da ist zum Beispiel die Frage: Wo kommt das Wort Cocktail eigentlich her?

Cock für Hahn und Tail für Schwanz, so könnte man das aus dem Englischen übersetzen, sagt Sebastian. Cocktail, so besage eine Theorie, heiße so, weil er bunt wie eine Hahnenschwanz ist. Das sei allerdings ein eher brachialer Erklärversuch. Denn heute seien zwar viele - vor allem alkoholfreie Cocktails - herrlich bunt. Das Wort Cocktail war aber auch schon vor gut 200 Jahren in Gebrauch - und da habe man Spirituosen zu farblosen Mischungen zusammengeschüttet.

"Viel wahrscheinlicher" sei diese Erklärung, findet Sebastian: Als es im vorvorigen Jahrhundert noch Hahnenkämpfe gab, durfte der Besitzer des siegreichen Hahns dem toten Hahn eine Feder ausrupfen und sie sich als Zeichen des Triumphs ans Glas stecken. Ein schottischer Barkeeper dagegen hat mir mal erzählt, dass das Wort - natürlich - aus Schottland kommt. Dort soll man ein Ale, also ein Bier, Cocktail genannt haben. In dieses Bier hat man vor dem Trinken angeblich zerkleinerte Hähnchenknochen und diverse Gewürze geworfen und das mehrere Tage "ziehen lassen". In diesem Fall war eine Frage sicher von untergeordneter Bedeutung: Geschüttelt oder gerührt?

Kontakt zum Autor dieser Kolumne per E-Mail: m.rolshausen@sz-sb.de

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