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Es ist kein Wunder, dass Online-Handel boomt, findet unsere Autorin

Kolumne So kann’s gehen : Servicewüste Saarbrücken

Der Online-Handel macht lokalen Händlern das Leben schwer. Aber dafür bieten Geschäfte vor Ort etwas, was Amazon und Co. nicht können: Beratung und Service. Zumindest in der Theorie.

In meiner Vorstellung war der Plan perfekt. Acht Minuten hin, fünf Minuten für Auswahl und Kauf, acht Minuten zurück. Macht 21 Minuten, die sich leicht in meine Mittagspause quetschen lassen, um etwas zu erledigen, für das viele andere Menschen (und zwar nicht nur Frauen!) einen ganzen Urlaubstag opfern müssen: Schuhe kaufen.

Mein Geheimnis? Vor 20 Jahren habe ich mich in ein sehr verbreitetes Modell einer berühmten Turnschuh-Marke verliebt. Seitdem trage ich praktisch nichts anderes. Im Alltag, beim Sport, bei mehr festlichen Gelegenheiten, als meiner Mutter lieb ist. Ein Spleen, ich gebe es zu, der mir allerdings viel Zeit spart.

Die Kollegen werden nicht mal merken, das ich weg war! – so dachte ich also vergangene Woche. Aber Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Das Schuhgeschäft führte wie erwartet Modell und Marke, jedoch nicht meine Größe. 39 – gut, das ist natürlich schon speziell. Mein Zeitplan war im Eimer, aber da ich schon mal unterwegs war . . .

Um es kurz zu machen: Ich musste die halbe Bahnhofstraße durchkämmen, aber erst beim vierten Laden hatte ich Glück. Auf dem Weg zurück in die Redaktion ärgerte ich mich maßlos. Nicht, weil meine Größe nirgendwo vorrätig war. Sondern, weil ich in keinem Geschäft gefragt worden bin, ob man mir die Schuhe bestellen soll. Vielleicht trügen mich meine Erinnerungen, aber war das früher nicht üblich? Das nächste Mal werde ich das jedenfalls wieder selbst übernehmen – online. Das ist nämlich ein weiterer Vorteil, wenn man immer nur die gleichen Schuhe trägt: Die Anprobe kann man sich sparen. Und schlechten Service glücklicherweise auch.