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Es gibt in Saarbrücken Menschen, die hinsehen und helfen.

Engagierte Menschen : Ein Dankeschön an die, die richtig hinsehen

Viele nehmen sie nur als die Gescheiterten, die Verwahrlosten, die Versager, die Alkoholiker und Drogensüchtigen, die am Rande der Gesellschaft Gestrandeten wahr. Es gibt aber Menschen, die genauer hinsehen und feststellen: Da braucht jemand Hilfe. Da will jemand einfach nur wahrgenommen werden. Da will jemand, dass man seinen Namen kennt.

Am Donnerstagmorgen hat der Paketmann geklingelt. Nein, habe ich gesagt, er muss den Karton nicht in den fünften Stock bringen. Er solle ihn einfach vor den Aufzug stellen. Wenig direkte Kontakte, die neuen Regeln eben. Als ich eine Viertelstunde später aus dem Aufzug kam, stand da kein Paket. Habe ich im Halbschlaf das Klingeln des Paketboten geträumt. Nein, meine Frau hatte es auch gehört. Und sie hatte den selben bösen Verdacht wie ich: Da hat jemand ruckzuck unser Paket geklaut. Weil da aber noch ein letzter Funke Glaube ans Gute im Menschen war, hat meine Frau einen Zettel aufgehängt, auf dem stand, dass wir ein Paket vermissen. Am Morgen des Karfreitag stand dann das Paket am Aufzug. Dazu ein Zettel, auf dem stand: „Tut mir leid ... habe nicht richtig hin gesehen.“

Ich hatte diese Woche mit einigen Menschen Kontakt, die richtig hinsehen und zwar nicht nur, wenn sie in den Spiegel schauen. Christa Piper und Heiner Buchen sind solche Menschen, die hinschauen und bemerken, wenn Hilfe gebraucht wird. Heiner Buchen ist katholischer Pastoralreferent im Dekanat Saarbrücken. Er hat mit anderen engagierten Saarbrückerinnen und Saarbrückern die Lebensmittelausgabe für Bedürftige in Malstatt organisiert. Die ehemalige Bezirksbürgermeisterin Christa Piper ist Vorsitzende des Fraueninfos Josefine. Weil das Café wegen der strengen Regeln schließen musste, sitzt sie nun zu Hause am Telefon und ist so für die Menschen da, die schon unter „normalen“ Umständen kaum mit ihrem Leben zurechtkommen und das Café als Ort brauchen, an dem man sie mit ihrem Namen anspricht, an dem man sie wahrnimmt, sie sieht.

Wenn ein Nachbar aus Versehen das falsche Päckchen nimmt. Foto: Martin Rolshausen

Ich bin dankbar, solchen Menschen wie Heiner Buchen und Christa Piper begegnen zu dürfen. Und natürlich auch dafür, dass der Nachbar beim Päckchen doch nochmal hingesehen hat.