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Waffen in der City
Endlich Klartext über Gewaltverbrechen in der City

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Noch vor sechs Wochen war die jetzige Diskussion über ein Waffenverbot undenkbar.

Messerattacken, Angst, Waffenverbot. Endlich wird in Saarbrücken Klartext geredet. Das tut weh. Ist aber extrem wichtig fürs weitere Zusammenleben. Sicher – die Diskussion wird hart. Aber selbst die härteste Diskussion ist tausendmal besser und vor allem produktiver als das krampfhafte Wegreden der Wahrheit.


Wir sind also einen Schritt weiter. Noch vor rund sechs Wochen konnte von Klartext nicht die Rede sein. Blick zurück: Am Freitag, 19. Februar, 23 Uhr, stach ein Syrer am Hauptbahnhof einen Afghanen nieder. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Die Polizei meldete das Verbrechen am 20. Februar. Noch am selben Tag forderte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz mehr Polizisten für die Stadt  – „anlässlich der laut Polizei vermehrten Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen in Saarbrücken“ (Britz). Die SZ fragte die Polizei nach den „vermehrten Auseinandersetzungen“. Aber das Landespolizeipräsidium wusste nichts davon.

Daraufhin veröffentlichte die SZ am 24. Februar eine Liste von sieben Messerstechereien und Schlägereien, an denen Syrer und/oder Afghanen beteiligt waren; Bilanz: neun Verletzte. Die Polizei hatte alle diese Fälle zwischen Neujahr 2016 und Mitte Dezember 2017 gemeldet. Und seit diese Liste erschien, berichtete die Polizei noch von vier weiteren Verbrechen aus der City, bei denen Messer im Spiel gewesen sein sollen. Zwei davon waren Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen bzw. arabischstämmigen Deutschen; Bilanz: drei Verletzte. Am 24. und 25. März machten zwei ähnliche Fälle (in Bochum und Burgwedel) bundesweit Schlagzeilen. Daraufhin erinnerten Medien daran, dass beide Polizeigewerkschaften sich eine Statistik über Messerattacken wünschen und dass die DpolG (Deutsche Polizeigewerkschaft) erklärt hatte: „Die Zahl junger Migranten unter den Angreifern mit Messern ist auffallend.“

Mittlerweile arbeitet die Polizeiinspektion St. Johann an einer eigenen Liste von Messerattacken (SZ vom 27. März). Und jetzt will die SPD-Landtagsfraktion eine Waffenverbotszone in Saarbrücken prüfen lassen (SZ vom 5. und 6. April). Gut so.

Zwei Dinge sollten wir aber – selbst in der Hitze der Diskussion – nicht vergessen. Erstens: Auch viele deutsche Verbrecher benutzen Messer. Zweitens: Es wäre dumm, zu glauben, dass alle Flüchtlinge gewaltbereite Kriminelle sind. Aber viele kommen eben aus Gesellschaften, die vom jahrelangen Bürgerkrieg total verroht sind. Wer dort und auf der Flucht überleben wollte, musste bereit sein, sich mit allen Mitteln zu behaupten. Um diese Menschen zu integrieren, reicht es nicht, ihnen Hartz IV in die Hand zu drücken und zu hoffen, dass sie intensiv im Grundgesetz lesen. Nein. Eine Stadt, die solche Menschen integrieren soll, braucht Geld für Personal, das sich um die Leute kümmert – und sie notfalls auch  im Zaum hält. Also, Frau Merkel und Herr Bouillon, her mit Sozialarbeitern und Polizisten. Dann schaffen wir das.