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Eine heldenhafte Rettungsmission wird zur emotionalen Achterbahnfahrt

Kolumne So kann’s gehen : Rette mich, wer kann!

Es ist ja okay, sich von Gefühlen leiten zu lassen. Aber manchmal kann es dann doch zu viel werden. Vor allem, wenn ich trotz bester Absichten eigentlich überhaupt keine Ahnung habe, was ich da gerade tue.

Mir passte das ja gerade gar nicht. Ich musste arbeiten, Abendessen kochen und dann erwarteten wir für später auch noch Gäste. Ich war echt voll im Stress. Aber keine Chance: In der Sekunde, in der ich das kleine Vögelchen bemerkte, das flugunfähig am Wegrand umherhopste, war es um mich geschehen.

Dabei hat das echt keinen Sinn. Die Natur ist nun mal grausam. Und es ist ja auch nicht so, als würde ich kein Fleisch essen. Trotzdem: An diesem kleinen hilflosen Wesen würde ich nicht einfach vorbeigehen. Dieses Piepmätzchen würde ich retten.

Richtig gelesen: „Piepmätzchen.“ Sehe ich ein süßes Tier vor mir, verfalle ich augenblicklich in Babysprache. Leider blieb es nicht dabei. Kaum hatte ich das Vögelchen eingefangen und mit nach Hause genommen, verwandelte ich mich auf der Stelle in eine überforderte Dreijährige. Kleinkindhaftes Greinen inklusive. Helfen, ja, aber wie? Ich weiß überhaupt nichts über Vögel.

In solchen Fällen ist es dann gut, wenn man einen Partner an seiner Seite hat, der auf Ausbrüche dieser Art mit der nötigen Besonnenheit (und auch nur ganz klein wenig Spott) reagiert. Und die nötige Hilfe bekam ich schließlich von einer netten Dame aus der Wildvogelaufnahmestation in Püttlingen. Die erkannte, dass es sich um einen Jungvogel handelte, der von seinen Eltern versorgt wird und riet mir, ihn zurückzubringen – ohne dass ich mir wie eine Idiotin vorkam. Das immerhin habe ich gelernt: Bevor meine Gefühle mich das nächste Mal so übermannen, frage ich lieber die Experten.