Harald Schindel: Ein Linken-Politiker ist auch Model, na und?

Harald Schindel : Ein Linken-Politiker ist auch Model, na und?

Harald Schindel lässt sich fotografieren. Er macht dabei eine gute Figur – als Fotomodel an spannenden Orten in interessanten Klamotten, auch mal auf einem Laufsteg. Der Mann ist gut bei dem, was er da macht und findet international Beachtung.

Respekt!

Aber ausgerechnet dafür hat ihn seine Chefin, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), nun gerüffelt. Und auch der Saarbrücker SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Renner ätzt über das Engagement des Linkenpolitikers in Berlin, New York, Williamsburg. Ist das sozialdemokratischer Neid? Oder Mobbing? Oder das Begleichen alter Rechnungen?
Eins ist es nicht: nachvollziehbar. Denn wenn die Oberbürgermeisterin und ihre SPD der Meinung sind, dass der Linkenpolitiker seine Arbeit im Rathaus nicht ordentlich erledigt, dann sollten sie mit ihm über genau diese Arbeit reden – und nicht darüber, was Harald Schindel in seiner Freizeit macht. Freizeit, die auch einem Dezernenten selbstverständlich zusteht.

Anstatt sich darüber zu empören oder lustig zu machen, was Schindel nach Feierabend macht, sollte darüber geredet werden, was er vor Feierabend macht. Und da gibt es durchaus Anlass zur Frage, ob Schindel der richtige Mann an der Spitze des Dezernats für Bürgerdienste, Sicherheit, Soziales und Sport ist. Wenn es um den Umbau des Ludwigsparkstadions, die Konflikte innerhalb der Berufsfeuerwehr, die neuen Bäder- und Hallengebühren oder die Kontrolle des ihm unterstellten städtischen EDV-Dienstleisters IKS geht, macht Harald Schindel nämlich keine so gute Figur wie vor der Kamera. Und um brisante sozialpolitische Angelegenheiten kümmern sich die Oberbürgermeisterin und Bürgermeister Ralf Latz eh teilweise selbst.

Als die CDU im vergangenen September im Stadtrat auflistete, womit Harald Schindel aus ihrer Sicht überfordert ist, wies die Oberbürgermeisterin die Kritik zurück. Und die SPD stimmte gegen den Antrag, Schindel von seinem Posten abzuziehen. Hätte sie es nicht getan, wäre die Koalition aus SPD, Linken und Grünen wohl geplatzt. Wenn es um die Macht geht, hält sich die Sozialdemokratie also zurück. Um so schräger ist es, Harald Schindel nun wegen einer Model-Nebentätigkeit dumm von der Seite anzumachen.

Zumal Harald Schindel sein politisches Amt nicht missbraucht hat, um sich irgendwo reinzudrängen. Dass er in der Chefetage der Verwaltung einer kleinen deutschen Großstadt sitzt, dürfte niemanden interessieren am Set in Berlin, Brooklyn oder an der Pazifikküste. Das Amt verschafft im keine Vorteile. Im Gegenteil: Wenn die andern wüssten, dass der coole Typ mit dem grauen Bart irgendwo in Deutschland für die linke Partei Dienst in einer Amtsstube tut, fänden sie das wohl eher uncool.

Also: Klärt die Dinge, bei denen Harald Schindel keine gute Figur macht, und mäkelt nicht an denen rum, bei denen er wirklich gut aussieht. Und vielleicht bleibt im Rathaus ja auch noch Zeit, sich mit der Arbeit des Grünen-Dezernenten Thomas Brück zu beschäftigen. Von einer Model-Tätigkeit ist bei ihm zwar nichts bekannt, von großen Erfolgen in seinen Fachbereichen Bildung, Kultur und Umwelt aber auch nicht.

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