Kolumne So kann’s gehen : Meine wunderbare Waschmaschine . . .

Bitte lesen Sie diese Kolumne nur heimlich und zeigen Sie sie niemandem. Es sollen keine Geister aus dem Totenreich der Haushaltsgeräte aufgeschreckt werden.

Ich muss sagen, ein bisschen mulmig ist mir schon dabei, Ihnen hier  von  meiner Waschmaschine zu erzählen. Vielleicht fordere ich das Schicksal heraus, und irgendjemandem im Totenreich der Haushaltsgeräte fällt plötzlich auf, dass sie meine Maschine vergessen haben. Aber ich will es doch riskieren. Meine Waschmaschine ist nämlich ein kleines Wunder.

Gekauft habe ich sie von einem Bekannten, als der mit seiner Freundin zusammenzog. Sie war da schon nicht mehr ganz neu. Ich zahlte, wenn ich mich recht erinnere, 200 Deutsche Mark dafür. Der Bekannte und seine Freundin heirateten dann irgendwann. Die Maschine in meinem Keller tat, was sie sollte: Wäsche waschen.

Der Bekannte und seine Frau ließen sich im verflixten siebten Jahr leider scheiden. Die Maschine in meinem Keller lief. Der Bekannte heiratete neu. Die Maschine lief.

Ein paar Jahre später bekam ich ein Kind. Die nunmehr schon recht betagte Maschine wusch Tonnen von Baby-Stramplern und später auch klaglos die oft vor Dreck starrenden Kindergarten-Klamotten. Sie hatte zwischenzeitlich mehrmals den Keller gewechselt, weil wir öfter mal umzogen. Aber sie lief und lief.

Irgendwann überlegte ich, ob ich nicht vielleicht doch mal eine von diesen schicken neuen Maschinen mit Kurzprogramm, allen Schnick-Schnack-Pflegestufen etc. kaufen sollte. Aber ich konnte mich doch  nicht dazu durchringen. Eine kluge Entscheidung. Denn im Laufe der Jahre haben Nachbarn und Freunde schon mehrere Waschmaschinen mit vielen digitalen Mätzchen gekauft. Die gingen immer nach etwa sechs Jahren kaputt. Mein treues, braves Maschinchen aber lief und lief.

In der Zwischenzeit ist unsere Tochter volljährig und wäscht ihre Wäsche selbst. In einem etwas ungeduldigen Moment hat sie vor zwei Jahren so am Türgriff gezerrt, dass der abgebrochen ist. Seither öffnen wir die Waschmaschine mit einem Metallstab. Geht auch. Ihren Hauptjob, das Waschen, erledigt sie weiterhin ohne Murren. Seit deutlich über 30 Jahren! Und, nein, sie ist nicht von Miele. Sie war seinerzeit von Quelle, also eigentlich ein Billigmodell. Die Firma gibt es schon ewig nicht mehr. Meine Waschmaschine hat sie überlebt.

Im Laufe der Jahre habe ich regelrecht zärtliche Gefühle für sie entwickelt. Weil sie so ein zähes kleines Ding ist. Treu und stark. Keine modische Trulla mit blinkenden Lichtern, einfach eine ehrliche Waschmaschine, die heiß wäscht und kalt, schleudert und basta. Sie ist ein bisschen wie diese legendäre kalifornische Glühbirne, die ja sogar angeblich schon seit 1901 brennt. Wer weiß, vielleicht kann ich sie sogar eines Tages noch meiner Tochter vererben. Vorausgesetzt, ich habe das Schicksal jetzt nicht damit herausgefordert, dass ich Ihnen von  meiner Methusalem-Maschine erzählt habe.