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So kann’s gehen
Ein Fall für Miles Archer

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Privatdetektiv Miles Archer ist gut, verdammt gut. Sein jüngster Fall führt ihn ins Saarland – ohne seinen Kumpel Sam Spade, mit dem er einst den „Malteser Falken“ jagte.  Ein Saarbrücker Weihnachtskrimi, Teil 1. Von Jörg Wingertszahn

Noch lag die Nacht über New York, da stand Miles Archer in einem  völlig durchnässten Trenchcoat fröstelnd am Times Square und fluchte still in sich hinein. „Verdammter Regen, verdammte Stadt.“ Archer hasste den Regen, und Archer hasste das frühe Aufstehen. Sharona hatte ihn mitten in der Nacht aus den Federn geklingelt und gesagt: „Archer, du musst sofort kommen. Wir haben einen Fall.“ Dieser Fall lag nun vor ihm. Ziemlich blass. Und ziemlich tot. Es war der Weihnachtsmann, der gute alte Santa. Archer konnte Weihnachtsmänner nicht ausstehen.


Sharona wusste das, aber ein Privatdetektiv kann sich seine Fälle nicht aussuchen. Und das wusste wiederum Archer. Sharona war nicht nur seine Assistentin. Die beiden hatten so etwas wie eine On-Off-Beziehung. Sie wissen schon, zusammen, getrennt, zusammen, getrennt.... Archer wusste nie, ob er bei ihr gerade „on“ oder „off“ war. Sie spielte mit ihm.

Als dann auch noch Chief Dan O’Brian am Tatort auftauchte, war Archers Laune endgültig im Keller. O’Brian und er waren früher Kollegen bei der New Yorker Polizei. Aber Archer war immer der Bessere gewesen, schon damals als Bulle. Archer war gut, verdammt gut. O’Brian wusste das, würde es sich oder anderen gegenüber aber nie eingestehen.



„He, Archer. Du hier? Ist doch gar nicht deine Uhrzeit“, sagte O’Brian und grinste über sein blasses, teigiges Mondgesicht. „Ja“, sagte Archer, „freu’ mich auch, dich zu sehen, Schwabbelbauch.“ O’Brian war schon in der Polizeischule nicht die hellste Kerze gewesen, aber er als er jetzt allen Ernstes als Erstes anfing, die Mütze vom Weihnachtsmann zu untersuchen, dachte Archer sich nur: „Wie viel Schmiergeld muss dieser Depp eigentlich bezahlt haben, bis er schließlich Polizei-Chief wurde?“ Archer hatte längst das kleine, feine Einschussloch an der linken Schläfe des Weihnachtsmanns entdeckt. „Volltreffer“, dachte Archer, „das war ein Scharfschütze, ein Profi.“

Sharona war wieder an der Strippe. Sie hatte sich schon  in aller Frühe bei ihren Freundinnen in der Stadtverwaltung von Manhattan ein bisschen umgehört. „Archer, du wirst es nicht glauben. Dieser Weihnachtsmann ist gar nicht aus New York. Der ist seit ein paar Wochen in Deutschland gemeldet.“  „Wo, Sharona, wo, verdammt, in good old Germany?“ Archer fluchte gern und viel. Sharona ließ das wie immer völlig unbeeindruckt. Sie kannte ihn besser als er sich selbst. „Komm’ mal wieder runter, Archer. Hab’ den Namen der Stadt noch nie gehört. Kann ich nicht mal aussprechen. Saarbruggen oder so.“ Und tatsächlich: Die Spur führte nach Saarbrücken, in die saarländische Landeshauptstadt. > Wird fortgesetzt.