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Jugendsprache 2018
Ehrenmann statt Evolutionsbremse

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Sind Sie schon mal als „Ehrenmann“ oder „Ehrenfrau“ bezeichnet worden? Dann dürfen Sie sich glücklich schätzen. Das ist zurzeit das wohl größte denkbare Lob, das Kinder und Jugendliche zu vergeben haben. Von Jörg Wingertszahn

Darum wurden die beiden Begriffe nun auch zum Jugendwort des Jahres gewählt. Das will auf den ersten Blick so gar nicht auf die hippe Jugend passen, die meistens ziemlich stabil unterwegs ist und gerne mal dönern geht (Döner essen). Schließlich findet sich schon bei Goethe der Ehrenman. Faust sagt über die Alchemiekünste seines Vaters: „Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann, der über die Natur und ihre heil‘gen Kreise, in Redlichkeit, jedoch auf seine Weise, mit grillenhafter Mühe sann.“


Nun hat ja jede Generation ihren eigenen Slang. Je nach Jahrgang könnten Sie noch die Anodenwumme kennen. So nannte man in den 50er Jahren ein Kofferradio. In den 60er kam dann der Dämlack auf, ein Wort, das eine steile Karriere hingelegt hat, denn man verwendet es auch heute noch. Die Jugend von heute würde sagen: „Du Lauch“. Oder „Du Evolutionsbremse“. In den 70ern nannten die Jungs ihre feste Freundin dann ganz stolz „Meine Ische“.

Es gab natürlich noch weitere Vorschläge neben dem „Ehrenmann“. Zum Beispiel „Snackosaurus“, womit ein ziemlich verfressener Mensch gemeint ist. Oder „lindnern“. Lieber etwas gar nicht machen als schlecht machen. Wenn Sie jetzt noch ein bisschen „breiern“ wollen, will ich Sie nicht davon abhalten. Sie sollten vorher aber wissen, was das heißt: brechen und weiterfeiern.