Doppelt gesperrt hält besser

SZ-Redaktionsmitglied Fatima Abbas hat dieser Tage gelernt, dass man eine verloren gegangene EC-Karte lieber zweimal sperren lassen sollte.


Mein Konto ist derzeit spannender als jedes WM-Spiel. So spannend, dass ich tatsächlich überlege, einen Live-Ticker einzurichten. Seit kurzem ist es nämlich "ferngesteuert". Die Vorgeschichte: Vor ein paar Tagen stehe ich vor einem Deutsche-Bahn-Automaten, zahle mit EC-Karte und lasse sie danach aus Versehen stecken. Das bemerke ich natürlich erst am nächsten Morgen. Da es verschwendete Energie wäre, mich ewig zu fragen, ob es nun gepiepst hatte oder nicht, nehme ich es gelassen. "Passiert doch jedem mal", denke ich mir und rufe den Sperr-Notruf an. Geht alles sehr schnell. Gott sei Dank! Der befreiende Gedanke: "Meine Miete ist gerettet!" Auch das Online-Banking beruhigt mich: alles so wie vorher. Aber ist das an einem Sonntag wirklich aktuell? Ach, wird schon so sein.

Am nächsten Morgen gehe ich dann zu meiner Bank, um eine neue Karte zu beantragen. Die Sachbearbeiterin versichert mir: "Die Karte ist gesperrt." Aufatmen. Ich bitte um Bargeld. Nichts passiert. Puh. Ja, aus Puh wird dann zwei Tage später Pustekuchen. Beim erneuten Log-in in mein Online-Bankportal stelle ich drei fremde Abbuchungen fest, die garantiert nicht auf mein Konto gehen können. Ich finde das gar nicht lustig und rufe erneut bei der Sperr-Hotline an. Wieder eine Dame: "Ja, Sie wissen schon, dass die Karte für Zahlungen mit Pin gesperrt ist, nicht aber für das Lastschriftverfahren." Ich schlucke: "Bitte was? Wenn ich meine Karte sperren lasse, dann gehe ich doch davon aus, dass man nichts mehr mit ihr anfangen kann." Wie ich in diesem Moment nach 28 Jahren Unwissenheit lerne, muss ich für die Lastschrift-Sperrung extra zur Polizei gehen. "Gut zu wissen." Am nächsten Morgen konfrontiere ich meine Bank-Sachbearbeiterin. Die schickt mich auch direkt zur Polizei und beruhigt mich damit, dass ich das Geld jederzeit zurückbuchen lassen könne. Also, nichts verloren. Die Polizei ist über den Vorfall verwundert und teilt mir nüchtern mit: Bis meine Karte endgültig gesperrt wird, kann noch etwas Zeit vergehen. Aha. Bis dahin verfolge ich jetzt meine Konto-Umsätze wie ein Fußball-Fan ein entscheidendes Spiel. Wann wird mein Unterschriftenfälscher noch mal zuschlagen? Und wie oft? Es bleibt spannend.

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