Die Tücken der Lichtautomatik

SZ-Redakteur Marco Reuther will sich nicht für alles die Verantwortung abnehmen lassen.

Eigentlich hat die Elektronik meines alten Renaults eine recht ausgeprägte Versagens-Neigung. Besonders die Fensterheber geben gerne mal den elektronischen Löffel ab. Nur die Lichtautomatik hatte immer funktioniert: Wurde es dunkel, dann schalteten sich die Scheinwerfer wie von Zauberhand ein. Doch irgendwann gab's dann auch die Lichtautomatik nicht mehr. Aber was soll's, es ist ja wohl kein Problem, den Lichthebel ganz klassisch von Hand zu bedienen? Leider hatte ich mich inzwischen so ans "Nichtstun" gewöhnt, dass ich jetzt mit unschöner Regelmäßigkeit das Lichteinschalten vergesse, was früher nie ein Problem war, als ich dafür noch selbst die Verantwortung hatte. Aber "Verantwortungsentzug" scheint ja nicht nur mir zu schaffen zu machen: Als neulich ein mehrfach angekündigter Sturm durch Püttlingen fegte, hatte kaum jemand daran gedacht (ich auch nicht) die gelben Säcke wieder ins Haus zu holen - dementsprechend sah es dann auch aus. Gerne wird ja in unserem Land danach gerufen, wahlweise "die Politik" oder "die Verwaltung" tue zu wenig und solle sich um dies oder das kümmern - vom Wildschwein-zerwühlten Garten bis zur Kindererziehung wird es doch wohl eine Behörde geben, die verantwortlich ist. Manchmal frage ich mich inzwischen, ob uns der Staat nicht zu viel statt zu wenig abnimmt? Es wäre wirklich schade, wenn wir irgendwann nicht mal mehr ans Denken denken und Facebook das dann komplett für uns übernehmen muss - Licht einschalten können die aber auch nicht.