Kolumne: So kann’s gehen : Einfach im Kreis fahren und träumen

Karusselle mitten in der Stadt - eine wunderbare Sache, findet SZ-Redakteurin Susanne Brenner. Die Stadtverwaltung will damit Schaustellern helfen, durch die Corona-Krise zu kommen.

Gestern morgen habe ich auf dem Weg zur Arbeit kurz gedacht, ich träume  noch. Im Vorbeifahren sah ich mitten am Saarbrücker Staden ein Kirmes-Kinderkarussell. Ich dachte schon, das sei eine Fata Morgana. Aber dann habe ich mich erinnert, dass ich von einer wirklich bezaubernden Idee der Stadt  Saarbrücken gelesen hatte. Die versucht nämlich auf überraschend unkonventionelle Weise den  Saarbrücker Schaustellern in der Corona-Krise zu helfen.

Ganz jenseits vom Kirmes-Trubel dürfen sie ihre Fahrgeschäfte und Buden an Plätzen der Stadt aufstellen, um so ihre Einnahme-Verluste durch Corona wenigsten ein bisschen gutzumachen. Ich muss sagen, wer auch immer sich das ausgedacht hat, er oder sie hat mir eine Freude gemacht. Seit Jahren schon vermisse ich es nämlich, dass wir in Saarbrücken nicht auch so schöne Kinderkarrussells mitten in der Stadt haben wie in Frankreich.

Ich habe wohl alles in allem ein paar Jahre an solchen Karussells verbracht. Schon lange bevor wir selbst ein Kind hatten, fanden mein Süßer und ich es nämlich immer herrlich, uns mit einer Tasse Kaffee oder mehr in der Nähe eines solchen „Manege“, wie die Karussells in Frankreich heißen, zu platzieren und den Kindern zuzuschauen. Es hat etwas so Entspannendes, es lenkt von allen großen, schweren Gedanken ab, wenn man kleinen Menschen dabei zuschaut, wie sie mit verträumtem Gesicht in der Prinzessinnen-Kutsche oder im Feuerwehrauto sitzen.

Unser eigenes Kind war übrigen später die womöglich ernsthafteste Karussell-Fahrerin der Welt. Hoch konzentriert  und mit todernstem Gesichtchen erledigte sie das wichtige Geschäft des Im-Kreis-Fahrens – während ihr begeisterter Vater gefühlte Film-Kilometer drehte. In den nächsten Tagen werde ich jetzt mal Richtung Staden gehen, mit einer Tasse Kaffee oder so. Und ich werde suchen, wo in der Stadt überall noch Teile der Kirmes-Wunderwelt aufgebaut sind. Irgendwo gibt es bestimmt auch Kirmeseis.