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Die Nettigkeits-Prüfer

So kann's gehen. Wildfremde Menschen rufen an – SZ-Redakteurin wundert sich. Angelika Fertsch

Merkwürdige Anrufe kommen momentan auf meinem Handy an. Aus Leipzig ruft eine Dame an und will wissen, ob ich mit der Autowerkstatt D. in meinem Wohnort zufrieden sei. Ich hätte doch meinen Wagen gerade dort gehabt? Verwirrt gebe ich Auskunft.
Der nächste Anruf kommt aus Berlin. Ich hätte doch gerade mein Auto zwecks Verkaufs schätzen lassen. Ob der Mann freundlich und kompetent war und angenehm rüberkam? Das Gleiche will der ADAC über seinen Mitarbeiter wissen, der mich nach einer Panne abgeschleppt hatte.

Qualitätsmanagement heißt das wohl. Gut für die Firma, schlechter für die Menschen am Arbeitsplatz. Wahrscheinlich fühlen sie sich wie bei der Stasi - immer kontrolliert. Die derart bespitzelten Leute tun mir leid, müssen offensichtlich immer morgens mit dem richtigen Fuß aufstehen, ein Dauerlächeln (auch durchs Telefon) einwerfen, das bis abends zum Feierabend halten muss. Sonst könnte sich ja einer mal beschweren.

Immerhin, noch hat sich kein Anrufer gemeldet, um sich über den Anrufer aus Schottland zu erkundigen, der mich vor wenigen Tagen davor warnen wollte, dass von meinem Computer "große Gefahr" ausgehe. Und ich müsse jetzt bestimmte Schritte im System vornehmen. Das tat er sehr nett, ich hätte ihm eine Zwei plus gegeben.

Er stellte sich als Microsoft-Experte vor, sprach aber Englisch mit merkwürdigem Akzent. Ob er wohl wusste, dass zwei Tage vorher schon eine Dame mit dem gleichen Text angerufen hatte?

Jedenfalls bin ich dem Ratschlag der beiden nicht gefolgt. Und der Computer ist immer noch nicht explodiert.

Insgeheim bereite ich mich schon auf einen weiteren Anruf vor: Jemand fragt beim Hausherrn ab, ob ich auch freundlich genug zu ihm bin.