Die Macht der guten Partys

Wenn eine Stadt lebendig bleiben will, dann muss sie unter anderem versuchen, junge, kreative, energiegeladene Menschen am Weggehen zu hindern. Und sie muss denjenigen, die der Zufall zum Studium hergebracht hat, Lust aufs Bleiben machen. Dafür gibt es ein gutes Konzept, finden die Leute vom „Sektor Heimat“-Team: „Beeindrucken wir das Publikum.“

Gute Partys sind immer eine Demonstration von Macht. Mit diesem Satz zitieren Janis Mudrich und Giovanni D'Arcangelo den großen Gatsby. Der Satz steht in der Präsentationsmappe, mit der Mudrich und D'Arcangelo das Projekt "Sektor Heimat" ihres Instituts für urbane Gestaltung präsentieren.

Die Party-These ist nicht neu. Der große Gatsby ist eine Romanfigur, die F. Scott Fitzgerald 1925 in die Welt geschickt hat. Eine Figur, die auch 90 Jahre nach Ihrer Erschaffung noch fasziniert. Zuletzt wurde der Stoff vor vier Jahren mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt.

Und der große amerikanische Partylöwe Gatsby taugt offenbar auch als Inspiration für Saarbrücken. Wer jung ist, sagt Giovanni D'Arcangelo, der "will der Welt zeigen, dass er da ist". Und das funktioniere nur in einer Stadt, in der es erstens gute Partys gibt - und zweitens kreativen Raum, in dem die Energie, die da entsteht, nicht einfach verpufft. Janis Mudrich und Giovanni D'Arcangelo geben sich überzeugt: Wenn eine Stadt keine solchen Orte für die jungen, kreativen, energiegeladenen Menschen hat, dann gehen sie - und die Stadt stirbt.

Also lautet die Mission: "Beeindrucken wir das Publikum." Darin haben Janis Mudrich und Giovanni D'Arcangelo schon einiges an Erfahrung. Sie stecken unter anderem hinter den "C'est dur la cultur"-Events, den Partys im Silo und am Römerkastell, hinter dem "Modul", der "100 Tage Bar", dem "Café Thonet", dem "Jules Verne", dem Osthafenfest.

Der Osthafen ist für die beiden der Ort, den die jungen Leute für sich "auserwählt" haben. Deshalb wollen sie dort mit "Sektor Heimat" neben dem Silo auch das ehemalige Rhenania-Lagerhaus bespielen. Das heißt für die beiden nicht nur Party. Es ist von Kunst die Rede, von einem kreativen Netzwerk, von "kultureller und sozialer Relevanz", von Veranstaltungen, "die wohl zu den bedeutenden der Großregion und vielleicht darüber hinaus werden". Im Sommer soll es losgehen.

Auf zweieinhalb Jahre ist "Sektor Heimat" erstmal begrenzt. Bis dahin soll klar sein, was mit dem Rhenania-Gebäude, das noch der Stadt gehört, passiert. Jetzt läuft da erstmal ein Ideenwettbewerb - auch eine Art Party.

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