Die Gelbwesten Saarland machen es sich zu einfach.

Gelbe Westen in Saarbrücken : Mit Westen nichts Neues

„Das Volk“ wird in Saarbrücken auch an diesem Wochenende ein überschaubares Grüppchen bleiben. Die Proteste der sogenannten Gelbwesten, die sich als Bewegung „vom Volk fürs Volk“ sehen, sind im Saarland allenfalls ein laues Lüftchen. Und das ist auch gut so. Wer wirklich etwas verändern will, sollte die Weste ausziehen und die Ärmel hochkrempeln.

Am Ende dieser Woche machen Kleider wieder Leute. Ein paar Menschen werden sich gelbe Warnwesten anziehen und dadurch zu Volkshelden. So sehen sie das zumindest. „Vom Volk für das Volk“ lautet das Selbstverständnis der „Gelben Westen Saarland“, die sich samstags auf dem Landwehrplatz in Saarbrücken treffen. Die Welt ist dann ganz einfach: Wer eine gelbe Weste trägt, gehört zu den Guten.

Der Forderungskatalog der Gelbwesten wirkt wie ein Bauchladen, in dem für jeden irgendetwas drin ist.  Klar, es sind ja auch „alle politischen Einstellungen“ willkommen. Keine Internetzensur soll es geben, keine Fahrverbote, keine Massentierhaltung, keine Privatisierungen, keine EU-Subventionen, keine Lobby-Politik, dafür aber Ideologiefreiheit und innere Sicherheit, freie Kitaplätze. Es soll keinen Steuerwucher geben, aber Großkonzerne sollen besteuert werden. Weil irgendwie soll alles gerecht sein. Das Wunschkonzert ist so bunt und unverbindlich, dass man sich gut fühlen kann, damit auf die Straße zu gehen. Und an der frischen Luft ist man dabei auch.

Das Komischste an der ganzen Sache ist, dass die gelbe Weste, also ein Kleidungsstück, das die meisten Menschen mit harter Arbeit verbinden, zum Symbol für Arbeitsverweigerung wird. Denn genau das tun die Gelbwesten: Sie kritisieren und fordern und schimpfen. Sie tragen eine aus ihrer Sicht womöglich berechtigte Wut auf die Straße, aber sie machen es sich recht einfach dabei. Tun sollen nämlich andere etwas, „die Politik“ natürlich. Vielleicht ist es die Angst, sich selbst unbeliebt zu machen, wenn man Vorschläge konkret formulieren, an lästigen Details arbeiten und irgendwann feststellen muss, dass das, was der eine gerecht findet, für andere schreiende Ungerechtigkeit ist.

Vielleicht ist bei einer der Gelbwestendemos ja Zeit, sich Gedanken über John F. Kennedys Rat zu machen: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

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