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Die Furche unter der Nase bringt SZ-Kolumnist Marco Reuther ins Grübeln

Kolumne So kann’s gehen : „Liebeszauber“ im Gesicht

Beim Vergleich zweier Fotos geriet SZ-Redakteur Marco Reuther ins Grübeln über die Furche unter der Nase.

Wussten Sie eigentlich, dass es die alten Griechen faustdick unter der Nase hatten? Beruflich hatte ich zwei alte Fotos zu vergleichen, bei denen es um die Frage ging, ob wohl auf beiden Bildern dieselbe Person zu sehen sei. Es gab einige Ähnlichkeiten, nicht zuletzt beim auffälligen … äh, bei diesem Dings da, diesem Dings halt … dieser Furche zwischen Nase und Oberlippe. Verdammt, wie heißt die denn? Hat die überhaupt einen eigenen Namen? Ja, hat sie. Meine geschätzte Kollegin, Frau Wiki Pedia, wusste Rat: Philtrum oder Philtron heißt das Stückchen Haut, der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Liebeszauber“. Liebeszauber??? Dieses winzige Stück Gesicht unter der Nase? Genau, weil die antiken Griechen ihr Philtrum als einen der erogensten Punkte des menschlichen Körpers angesehen hatten. Wobei der untere Teil des Philtrums gleichzeitig der Mittelteil, gewissermaßen der Griff des Amor-Bogens ist. Des was …? Des Amor- oder Kupido-Bogens: die bogenförmige Grenzlinie des Oberlippenrots, benannt nach dem Bogen des römischen Liebesgottes Amor. Das ist jetzt zwar alles vollkommen unnützes Wissen, aber künftig werde ich das mit ganz anderen Augen sehen, wenn ich mich rasiere und mit der Klinge unter der Nase ankomme. Und vielleicht sollten wir ja auch nach Corona die Masken beibehalten – so als Accessoire der Schicklichkeit.