Die Farben des November

Rot, Gold und Grün, das sind die Farben von November und Dezember. In Rot, Gold und Grün erstrahlt gerade wieder der St. Johanner Markt, genauso wie viele andere Orte in Saarbrücken. Blockhütten und Knusperhäuschen zeigen sich überreich bedeckt mit weinroten Schleifen, güldenen Glocken und Tannengrün. Wir befinden uns in der Vorweihnachtszeit, wobei man mittlerweile das Gefühl hat, die begänne kurz nach den Sommerferien. Es die die Zeit von Schietwetter, überlasteten Scheibenwischern, düstren Morgenstunden und proppevollen Weihnachtsmärkten. Was nur macht diese Märkte so interessant? Es ist ja nicht so, als gäbe es dort rare Waren, die man sonst nirgends finden kann. Oder exklusive, nur auf Weihnachtsmärkten angebotene Kulinaria, wie Adventsschwenker mit Lebkuchenkruste, Dibbelabbes an Orange-Honig-Schaum, garniert mit glasierten Haselnüssen oder Lyoner mit Anisgeschmack. Ist es der besänftigende Geruch frisch gebackener Zimtwaffeln oder die glühweindampfsatte Luft, die sich in kleinen Wölkchen einlullend über diesen Märkten ballt? Das meditative, nicht enden wollende Dschingeling von "Süßer die Glocken nie klingen" und "White Christmas"? Wobei selbige hierzulande ja bekanntlich selten weiß, dafür aber oft matschgrau ist. Ist es die beschirmende, selbst im Winter schweißtreibende Enge zwischen den Weihnachtshütten, wo man sich, Schulter an Schulter, nachbarlich wohlmeinend weiter durch die vollen Gassen schubst? Oder doch eher dieses euphorische Gefühl nun endlich und wahrhaftig den Großteil des Jahres hinter sich, es gepackt zu haben, auch mit 2016 fertig geworden zu sein? Wie jedes Jahr hat uns auch dieses einiges abverlangt. Doch nun ist unser Teil getan, wir haben 2016 gezeigt, wo das Lametta hängt! Jetzt dürfen wir zufrieden durch die von Triangel und Tamburinen getragene Lärmkulisse taumeln, Pfeffernüsse kauen und an dem einen oder anderen Glühwein nippen, bis uns der Markt noch bunter scheint und alles leuchtet: Rot, Gold und Grün.