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Der nette Herr Dahm: Es war einmal

Der nette Herr Dahm: Es war einmal

Im Prozess um die Kündigung des Ex-Stadtwerke-Chefs Jochen Dahm hat das Gericht einen Vergleich vorgeschlagen. Jetzt müssen Aufsichts- und Stadtrat entscheiden.

Beherrschendes Thema dieser Woche war ein Papier aus dem Landgericht. Im Prozess, in dem sich der frühere Stadtwerke-Chef Jochen Dahm gegen seine fristlose Kündigung wehrt, hat die Vorsitzende Richterin einen Vergleich vorgeschlagen. Würde der akzeptiert - das ist noch offen -, bekäme Dahm, im Herbst 2014 Knall auf Fall entlassen, sein Gehalt noch bis Ende Mai 2015 bezahlt. Und dürfte zwei Jahre später, ab Juni 2017, betriebliche Altersversorgung in Anspruch nehmen.

Anlass, im Archiv zu stöbern. Mitte Oktober 2014 standen die Stadtwerke vor der Zahlungsunfähigkeit, Folge der Finanz-Katastrophe bei ihrer Fischzucht-Tochter. Dahm, als Geschäftsführer verantwortlich, erhielt die fristlose Kündigung. Die mühsame Aufarbeitung des Desasters offenbarte weitere Ab- und Kündigungsgründe - binnen zwei Jahren summierte sich die Zahl der Kündigungen zum runden Dutzend. Zwölfmal Pflichtverletzungs-Vorwürfe. Jeder so massiv, dass Aufsichts- und Stadtrat darauf den sofortigen Rauswurf des Ex-Chefs stützten. Und jetzt zurückmarschmarsch? Die schiedliche Einigung würde teuer. Gehalt für 7,5 Monate wäre nachzuzahlen, bei einem Jahres-Salär von - nach SZ-Informationen - etwa 150 000 Euro rund 94 000 Euro. Was als Alterversorgung vereinbart war, wissen wir nicht. Klar ist nur: Dahm, Jahrgang 1955, wäre mit 62 Jahren ein sehr junger Rentner. Weicher könnte man kaum fallen. Wer hat den Stadtwerke-Mitarbeitern, die wegen der Krise ihren Job verloren, den Absturz gepolstert?

Blättern wir weiter zurück im Archiv. CDU-Mann Jochen Dahm war über Jahre der nette Mensch der Völklinger Kommunalpolitik. Überall bekannt, mit vielen per Du, allseits beliebt. So beliebt, dass er im Oberbürgermeister-Wahlkampf 1998 gegen Amtsinhaber Hans Netzer (SPD) 38,9 Prozent der Stimmen holte. Und dass ein nie identifizierter "Maulwurf" in der SPD-Stadtratsfraktion ihm 2002 in den Bürgermeister-Sessel half.

1998 hat die SZ dem OB-Kandidaten Dahm Fragen zur Person gestellt. "Was bedeutet Geld für Sie?" Dahm sagte: "Sicherheit". Als "Lebensphilosophie" benannte er "Erst wägen, dann wagen." Und was er partout nicht leiden könne, beschrieb er so: "Wenn Fehler nicht eingestanden werden." Angesichts verbrannter Millionen und vertuschter Pannen überläuft's einen da eiskalt. Der nette Herr Dahm: Das war einmal.