1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Kolumnen

Dem Wildpark fehlt ein Gehege für Baumaschinen

Dem Wildpark fehlt ein Gehege für Baumaschinen

Die Tiere im Zoo und im Wildpark können noch so exotisch sein, am Ende gewinnt immer der Frontlader, schluchzt SZ-Redakteur Fabian Bosse. Er muss jetzt seine Vater-Sohn-Nachmittage umdisponieren.

Ich habe mal gelesen, es könne nicht schaden, wenn man Kindern frühzeitig die Welt erkläre. Das soll den Horizont erweitern. Ich wollte das neulich im Wildpark machen. Dort, dachte ich, kann ich meinem Sohn erzählen, wie früher der Luchs durch urwaldähnliche Wälder streifte, Steinböcke noch heute in den hohen Alpen gefährliche Revierkämpfe ausfechten und riesige Bisonherden von Indianern einst durch die Prärie gejagt wurden. Was Väter halt so erklären müssen. Nun gebe ich zu, dass mein Sohn mit seinen fast zwei Jahren noch sehr jung ist für derartig anspruchsvolle Exkurse. Aber: Als ich ihm neulich erklärt habe, dass es kein Abseits ist, wenn der Stürmer bei der Ballabgabe aus der eigenen Hälfte startet, meinte ich, dass er nachdenklich genickt habe, als er seinen Löffel wieder in den Haferbrei platschen ließ.


Beim Wildpark kam meinen durchaus wissenschaftlich begründeten Ausführungen aber nicht etwa die fehlende Aufnahmefähigkeit meines Sohnes in die Quere, sondern etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe: ein Frontlader. Mit dem Ding fahren die dort herum, um Tiere zu füttern, auszumisten oder irgendwas zusammenzuschieben. Da kann man über das Balzverhalten von Warzenenten habilitiert haben, gegen so einen Traktor mit Schaufel stinkste einfach ab. Nun rannte mein Sohn voller Freude - aber erfolglos - diesem Ding hinterher, anstatt mit mir Eulen anzuschauen. Dabei hatte ich echt intensiv an meinen Lockrufen gefeilt. Solange der Tierpark also kein Gehege für Traktoren, Müllautos oder Planierraupen hat, muss ich mir also was anderes ausdenken. Wir gehen jetzt dorthin, wo anderen die Wut zu Kopf steigt und meinem Sohn die Freudentränen kommen: auf Baustellen. Wer gerade ähnliche Erfahrung mit Sohn oder Tochter macht, dem kann ich wärmstens die Baustellenseite der Stadt empfehlen. Hier erfährt man, wann und wo in Saarbrücken die wichtigsten Tief- und Hochbauprojekte für Krach und Staub sorgen. Und um weiterhin mein Kind zu beeindrucken, habe ich den neuesten Baumaschinenkatalog immer griffbereit im Kinderwagen liegen.

sb-schafft.de