Das innere Tier braucht Fleisch

Eine Woche war SZ-Redakteurin Angelika Fertsch Vegetarierin.

Für ein saftiges Steak bin ich bereit, eine ganze Menge zu tun. Was genau, habe ich mir im Detail noch nie ausgemalt - vorsichtshalber. Nachdem mir meine Kinder eine fleischfreie Woche verordnet haben, weiß ich, in mir schlummert ein wildes Tier. Angefangen hatte alles mit der Feststellung der Teenie-Tochter: "Jeden Tag Fleisch oder Wurst, das ist viel zu ungesund. Wir leben jetzt alle mal vegetarisch." Wahrscheinlich hatte ich nicht genau zugehört, als ich diesen Irrsinns-Plan abnickte. Sie hatte zusätzlich ein Fischverbot aufgestellt. Und dann war es für die Rolle Rückwärts zu spät. Zuerst musste ich meine Kochkünste einmotten. Aber was kann man einer Familie vorsetzen, die schon zetert, wenn sie mal Ratatouille essen soll und jeder anderes mag. Täglich Pommes war jetzt auch nicht gerade die Kreativlösung. Ich hatte also zum ersten Mal in meinem Leben eine Tofu-Packung im Einkaufswagen und Pulver, aus dem man Brätlinge backt. Was soll ich berichten? Nur der Kindsvater verschluckte sich nicht an den exotischen Merkwürdigkeiten, nahm viel Sojasoße und runter damit. Spaghetti mit Crème Fraîche und Spinat fanden sogar die Gnade von allen Dreien. Taboulé, Crêpes, Quiche mit Gemüse, Hilfe, mir fiel bald nichts mehr ein. Bei Fleischwerbung abends im Fernsehen lief mir das Wasser im Mund zusammen. Fast fing ich an, unsere Katzen zu beneiden. Ich gestehe, ich überlegte ernsthaft, mir heimlich in der Metzgerei ein Mettbrötchen zu kaufen. Die Einkäufe ab Tag 4 - eine Qual. Ich schlich schnell an der Fleischtheke vorbei. Noch zwei Tage, noch einer, am Sonntag durfte es das erste Fleisch geben. Aaaah! Erlösung. Und die Erkenntnis: "Es geht, wenn man will, ohne", sagt Hannah. Aber will man?