Das Grillen der Lämmer

Haben Sie sich am Wochenende auch im Garten auf der Liege geaalt? Haben sie auch schon den Mückenschutz bereitgestellt, weil herrlich vorsommerliches Wetter angekündigt war? Sie hätten besser Bleigießen veranstaltet oder aus dem Kaffeesatz gelesen, wie das Meteorologen manchmal zu praktizieren scheinen.

Jedenfalls war's - entgegen aller Vorhersagen - recht kühl. Eine Woche zuvor hingen im Garten einer Freundin am Dieffenbacher Weiher noch die Meisen an den gleichnamigen Knödeln. So scheint das Federvieh auch reichlich durcheinander, es weiß gerade nicht, woran es ist.

Zum Grillen hat's am vergangenen Samstag allemal gereicht. Weil es draußen brutzelte und man drinnen saß. Man folgte der Einladung von Freunden. Und die haben sich ein neues, mit Gas betriebenes Gerät gekauft.

Als ich aus dem Auto steige und es erstmals in Augenschein nehme, denke ich: Donnerwetter. Zwei Zimmer, Küche, Bad! In der Tat, das Gerät ist ausladend, und jedes Jahr scheinen die Modelle ein Stück größer auszufallen. Ich lupfe den silbrig glänzenden, gewölbten Deckel, lege in Gedanken zwei Lammkeulen drauf und 40 Würstchen.

Und dann schreitet der Meister zur Tat: Er hat jedes Stück im Blick, dreht und wendet, wenn es nötig erscheint, schiebt die Ware vom Rost auf die Warmhaltezone, jongliert an drei Knöpfen mit der Temperatur - und alles wird gut.

Man kriegt Komplexe, wenn man noch zur alten Holzkohle-Garde gehört. Die da mit Anzündhölzern und Föhn hantiert, die immer wieder neu herausfinden muss, wann die Glut am besten ist. Und doch hat's was von Urwüchsigkeit. Ins Feuer starren und zufrieden sein, wenn am Ende des Gebrutzels etwas Schmackhaftes dabei herauskommt. Doch jede Grillparty hat dasselbe Resultat: Man isst mehr, als man sich vorgenommen hat. Und hört dann erst auf, wenn man erkennt, dass man noch kauen könnte - aber nicht mehr schlucken.