Dann geht doch rüber!

Lärm lähmt. Manchmal reicht auch die Angst davor. Das barocke Viertel rund um die Ludwigs- und die Friedenskirche soll für gut drei Millionen Euro aufgehübscht werden. Eigentlich eine gute Nachricht, aber auf der Plattform der SZ-Lokalredaktion bei Facebook (facebook.com/saarbrueckerzeitung.sb) wurde den Begeisterten erst mal die Frage entgegengeschleudert:

"Und hat jemand an die Anwohner rund um die Baustellen gedacht?" Ähnliche Reaktionen gab es auf die Nachricht, dass ein kleiner Teil des Beethovenplatzes nicht mehr für Autos zur Verfügung steht, sondern zum Vorplatz für die Synagoge werden soll. "Baulärm!", schallte aus dem Internet.

Unbestritten: Lärm kann krank machen. Deshalb machen sich Bürgerinitiativen , Experten und Politiker Gedanken, wie es leiser werden könnte in unserer Stadt. Aber egal, was ihnen auch einfallen mag: Still wird es nicht. Jedenfalls nicht so still wie auf dem Dorf. Da gibt es vielleicht alle 50 Jahre mal eine richtig große Baustelle, die nicht innerhalb eines Monats erledigt ist. Wir Städter sind da in einem ständigen Widerspruch gefangen. Wir genießen die Vorteile der Stadt, könnten aber auf den Verkehr, den wir Städter selbst und die Menschen, die unsere Stadt anlockt, verursachen, verzichten. Wir würden gerne auf die vielen Laster verzichten, nicht aber auf die Waren, die sie in die Stadt bringen. Wir würden gerne auf Baulärm verzichten, aber das geräuschlose Bauen ist noch nicht erfunden - und ohne, dass an und in ihr geschafft wird, bleibt eine Stadt nicht lange attraktiv und lebendig.

Ein Kollege schwärmt dagegen davon, wie ruhig es doch bei ihm daheim in Auersmacher ist. Ich bin manchmal geneigt, all denen, die direkt grametscheln, wenn sich etwas bewegt in unserer Stadt (wie die Investition in den Barock oder die Platzgestaltung vor der Synagoge), zuzurufen: "Dann geht doch rüber - nach Auersmacher!"

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