1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Kolumnen

Corona greift auch die Psyche an, findet unsere Autorin

Kolumne So kann’s gehen : Das verlorene Gefühl von Leichtigkeit

Was macht Corona mit unserer Psyche? Zwingt die Pandemie uns eine Dauerdepression auf? Wann werden wir wieder unbeschwert in einen Winter oder gar einen Winterurlaub gehen?

Ein bisschen Leichtigkeit würde uns dieser Tage gut zupasskommen. Etwas Sorglosigkeit, sich zurücklehnen, wie würden wir das brauchen. Doch die derzeitige Lage verbietet es. Mit einem mulmigen Gefühl schauen wir den dunkler werdenden Herbst- und Wintertagen entgegen. Was sie wohl bringen werden? Wie bezwingend uns dieses Virus im Griff halten wird und wie lange wohl noch? Welche weiteren Beschränkungen wird es uns abverlangen? Täglich checken wir die neuen Fallzahlen Infizierter, beschäftigen uns mit Statistiken, Inzidenzwerten, Risikogebieten und Prognosen. Bei unseren französischen Nachbarn gibt es gar nächtliche Ausgangssperren in einigen Großstädten. Wir sind beunruhigt, schon kleine Huster können Panik verursachen. Vorbei die Tage, als eine Erkältung nichts Besonderes war, höchstens ein Grund, einen Gang zurückzuschalten und einfach weiterzumachen. Heute fragt man sich beim ersten komischen Kratzen im Hals, ob man nicht doch versehentlich auf Gevatter Tods Schippe gehopst ist. Beim Wörtchen „Test“ denkt niemand mehr zuerst an eine Schulprüfung, eine Quarantäne konnte früher gefühlt kaum jemanden und heute potentiell jeden treffen. Und ein Hotspot ist kein besonders sonniger Urlaubsort. Überhaupt, Urlaub, der steht eh nicht mehr wirklich zur Diskussion. Die Masken an sich sind gar nicht so das Schlimme, aber die innerliche Beunruhigung, die uns die Freude an der kühlen Jahreszeit nimmt. Mit Begriffen wie exponentielles Wachstum, Neuansteckung, Isolierung, Intensivbetten, Systemüberlastung, Beherbergungsverbot und Ähnlichem im Kopf lässt es sich selbst vor dem bullerden Ofen kaum noch entspannen. Fast ist es egal, ob der Winter nun Matsch oder richtigen, weißen Schnee bringt. Weihnachten scheint so weit weg. Beinahe unerreichbar, ein behagliches, besinnliches Weihnachten, wie wir es kannten. Ein bisschen Leichtigkeit, wie wir uns danach sehnen…