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Historisches für Saarländer
Charlys Feuerzangenbowle

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Charly Lehnert kann ganz genau erklären, wie man Feuerzangenbowle zubereitet. Eine Bio-Zitrone, zwei bis drei Bio-Orangen, einen Liter trockenen Rotwein, zwei Gewürznelken, eine Zimtstange, eine halbe Vanilleschote, einen Zuckerhut und 300 Milliliter braunen Rum braucht man dazu, erklärt der Berufs-Saarländer in der jüngsten Ausgabe von „nemmeh dehemm“, seines „Magazins für die Freunde des Saarlandes“. 80 Volumenprozent Alkohol müsse er aber haben, der Rum. Von Martin Rolshausen

Dass er in seiner vor allem bei Exil-Saarländern beliebten Publikation ein paar Seiten vorher die Saar doppelt sieht, hat mit Alkohol allerdings nichts zu tun. Und dass „La Sarre“ nicht einzigartig ist, findet der Verleger vieler Saarlandbücher auch eher faszinierend als beunruhigend. Denn er hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Die beginnt, zumindest für Charly Lehnert, im Frühjahr 1988. Da erzählte ein Kanadareisender aus seinem Bekanntenkreis, dass es da drüben eine Siedlung gibt, die „La Sarre“ heißt.


Lehnert und einige andere Saarländer studierten zuerst zusammen Landkarten, dann reisten sie nach Kanada. Und siehe da: „Die Getreidefelder in der Region La Sarre reichen bis an die Ufer des Flusses La Sarre“, schreibt Lehnert. Doch wie kann es sein, dass es in der französischsprachigen Provinz Québec noch eine Saar gibt?

Im Archiv der Stadt La Sarre, berichtet Lehnert, wurde alles klar: „La Sarre ist benannt nach dem ruhmreichen Regiment La Sarre, das erfolgreich an der Schlacht von Carrillon teilnahm.“ Die französische Truppe, die später auf der anderen Seite des großen Teichs gegen die Engländer zu Felde ziehen sollte, hatte sich zuvor „bei Wallarbeiten zum Bau der Festung Saarlouis“ bereits mit Ruhm bekleckert und wurde deshalb 1685 zum Regiment La Sarre.

Aber auch wenn wir uns den Namen seit 100 Jahren, wie Lehnert recherchiert hat, mit den Kanadiern teilen, bleiben wir doch einzigartig. Durch unsere wundervolle Sprache nämlich.

Auch die zelebriert Lehnert in „nemmeh dehemm“. Ich bin da zum Beispiel auf das schöne Wort Weihnachts-Schnääges gestoßen. Dazu gehören zum Beispiel Sahne-Honig-Guddsjer und Spitzbuuwe. Wie man die macht, kann Charly Lehnert genauso gut erklären wie die Zubereitung von Feuerzangenbowle.



Man braucht dazu 250 Gramm Butter, 180 Gramm Zucker, zwei Päckchen Vanillezucker, 125 Gramm gemahlene Haselnüsse, 300 Gramm Mehl und eine Messerspitze Backpulver. Daraus macht man runde Plätzchen. Die Hälfte der Plätzchen werden noch warm mit Johannisbeermarmelade bestrichen, die andere Hälfte wird dann draufgedrückt und dann in einem Gemisch aus Vanille- und Puderzucker gewendet. Dazu schmeckt, ganz klar, Charly Lehnerts Feuerzangenbowle.

„nemmeh dehemm“ erscheint im Lehnert Verlag, Telefon (06805) 207860, E-Mail info@lehnert-verlag.de