Busfahrer in Saarbrücken können auch freundlich sein

Busfahren in Saarbrücken : Wenn Vorurteile versumpfen

Kurz habe ich darüber nachgedacht, der alten Dame von dem Mann zu erzählen, denn ich Alligator-Jim nenne. Ich habe es aber  gelassen. Sie war gerade durch einen ganz banalen Satz vollkommen aus der Bahn geworfen worden.

„Auf Wiedersehen und einen schönen Tag“, lautete der Satz, freundlich ausgesprochen von einem Busfahrer, dessen Schicht zu Ende war und der den Bus verließ, um seiner Ablöse Platz zu machen. Die Dame, die ab und zu auf derselben Buslinie unterwegs ist wie ich, muss mehr Lebenserfahrung haben, schließlich ist sie schon länger auf diesem Planeten. Aber offenbar hat sie auch mehr Vorurteile. Eins davon, das in ihren Gesprächen mit anderen Fahrgästen nie zu überhören war, lautet: Busfahrer sind unfreundliche Gesellen. Und dann wünscht dieser Mann uns allen, also auch ihr, einen schönen Tag!

Und ich stand plötzlich in Gedanken wieder vor Alligator-Jim. In einer Tankstelle mitten in den Everglades in Florida. Um uns herum nur Sumpf und Alligatoren-Warnschilder – vermutlich also auch Alligatoren. Der Typ stand hinter der Kasse, schmuddelige Klamotten, fettiges Haar, grimmiger Blick – wie ein Psychopath aus diesen Filmen, in denen harmlose Urlauber auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Ich stellte tapfer eine Flasche Cola auf den Tresen und wollte die Tankrechnung zahlen. Der Mann, den ich Alligator-Jim nenne, drückte auf die Plastikflasche und sagt, dass ich mir besser eine andere nehme, die hier habe Druck verloren, da schmecke die Cola nicht mehr so gut. Er nickte, ganz cool. Aus einem potenziellen Mörder wurde ein netter Kerl. Ich war noch in Gedanken im Sumpf, da stieg der Ablöse-Busfahrer ein und rief fröhlich in den Bus: „Guten Morgen!“ Zwei freundliche Busfahrer! Die Dame war kurz vor dem Zusammenbruch.

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