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So kann’ s gehen
Bei Fußball-Risiken und Nebenwirkungen ...

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Was hat uns der Fußball nicht schon für Dramen beschert: das Wunder von Bern, die Nacht von Belgrad, die Schmach von Cordoba und die Schande von Gijon. Vor allem bei großen Turnieren schlagen die Emotionen Wellen. Klar, dass da der Notarzt öfter mal kommen muss. Die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes gibt Tipps, wie man gesund über die Runden kommt. Von Jörg Wingertszahn

Bevor Sie weiterlesen, fragen Sie bitte erst Ihren Arzt oder Apotheker nach möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Ich will schließlich nicht schuld sein, wenn Sie nach der Lektüre dieser Zeilen einen Herzkasper kriegen und nach Luft japsen. Beneidenswerterweise gibt es Leute, denen so etwas nie passieren kann. Wie zum Beispiel unseren früheren Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Sie wissen schon, der Mann mit der Igelfrisur, der vor 20 Jahren seinen Blutdruck verloren und seitdem nicht mehr wiedergefunden hat. Der Mann war so rücksichtsvoll, dass er zur Terrorabwehr in Deutschland lieber nichts gesagt hat, als uns durch Teile seiner Antworten zu verunsichern.


Menschen, die nur ansatzweise zu Emotionen neigen, haben es da schwieriger. Vor allem in Zeiten der Fußballweltmeisterschaft. Die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes empfiehlt daher Patienten mit Bluthochdruck: „Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie vor besonders spannenden Spielen die Dosis (zum Beispiel von Blutdrucktabletten) erhöhen dürfen.“ Bin mal gespannt, wenn vor jedem Deutschland-Spiel alle Blutdruckpatienten bei ihrem Hausarzt auf der Matte stehen und fragen, ob sie eine Pille mehr nehmen sollen.

Etwas weltfremd mutet dagegen folgender Vorschlag an: „Überlegen Sie sich, besonders nervenaufreibende Spielpassagen, zum Beispiel ein Elfmeterschießen oder eine Spielverlängerung, gar nicht anzuschauen oder allenfalls am Radio zu verfolgen.“ Ja, Herrschaftszeiten, liebe Leute. Warum guckt man denn Fußball? Weil es spannend ist. Wenn ich mich  bei einer Sportübertragung nicht aufregen will, schaue ich mir die Kreismeisterschaft im Teebeutelweitwurf im ostfriesischen Emden an. Fußball guckt man, weil man dabei leiden kann. Klagen, Jammern, Kreischen, Greinen und Zittern gehören dazu. Und dann der erlösende Jubel, wenn Toni Kroos in der 95. Minute den Siegtreffer erzielt. Ein Tor, von dem die französische Sportzeitung L’équipe übrigens geschrieben hat, „das war kein Freistoß, sondern ein Messerstich ins Herz der Schweden“. Das ist Fußball. Emotion.



Die Kolumne ist fast zu Ende, und ich hoffe, Ihnen geht es weiterhin gut. Wenn nicht, sagen Sie nicht, ich hätte Sie vorher nicht gewarnt. (Und merken Sie etwas? – Das WM-Aus der Deutschen habe ich erst gar nicht erwähnt. Denn das wäre dann doch blutdrucktechnisch zu riskant gewesen ...)