Aufregung im Nest

Es seien "nicht die klügsten Vögel, die mit Vorliebe ins eigene Nest kacken". Dieser Satz von Peter Bauer ging mir diese Woche nicht aus dem Sinn. Nicht, weil ich ihn lustig oder besonders originell finde, sondern weil er einiges aussagt über die Politik in unserer Stadt.Peter Bauer ist Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion.

Und die "Vögel", die er als Nestbeschmutzer sieht, das sind diejenigen, die bei der Saarbrücker CDU in der ersten Reihe stehen - allen voran der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, Uwe Conradt .

Der fällt wie sein Fraktions- und Kreisvorsitzender, der Landtagsabgeordnete Peter Strobel , immer mal wieder dadurch auf, dass er den wirklichen und den vermeintlichen Problemen der Stadt einen Namen gibt, den der SPD-Oberbürgermeisterin: Charlotte Britz.

Anstatt sich um die akuten Probleme in Saarbrücken zu kümmern (Baustellenplanung und Schulden zum Beispiel), mische sich die Oberbürgermeisterin in die Landespolitik ein (in die Debatte um den Landesentwicklungsplan zum Beispiel), lautete der jüngste Conradt-Vorwurf in Richtung Rathaus. Er kam zu dem Schluss: Charlotte Britz "vernachlässigt offensichtlich ihre Amtsgeschäfte".

So verlässlich, wie die CDU-Spitze Charlotte Britz kritisiert, so verlässlich lobt die Saarbrücker SPD-Spitze die Parteifreundin in den höchsten Tönen. Die SPD mahnt die CDU zwar zu Sachlichkeit, greift aber gleichzeitig noch tiefer in die Kiste mit den bösen Worten als Conradt. "Plumpe persönliche Angriffe und gehässige Diffamierung" wirft Peter Bauer dem CDU-Mann vor. Und dass der Christdemokrat mehr an seine Karriere als an die Interessen der Stadt denke. "Kleinkariertes Gezänk und Gestänkere gegen Charlotte Britz", beklagt die SPD-Kreisvorsitzende Isolde Ries . Hinter dem sozialdemokratischen Verteidigungs-Wortschwall steckt eine einfache Botschaft: Wer "unsere Oberbürgermeisterin" kritisiert, der ist kein guter Saarbrücker. Und dahinter steckt etwas, was die Saarbrücker SPD schon viele Jahrzehnte ernsthaft zu glauben scheint: Saarbrücken und die SPD , das ist dasselbe.

Dass die CDU gerade besonders heftig auf Britz losgeht und die SPD sie besonders heftig verteidigt, scheint allerdings wenig mit dem Stadtnest zu tun zu haben, das die einen beschmutzen und die anderen gerne sauberhalten. Es geht offenbar um ein größeres Nest.

Britz scheint die Lust zu verlieren, Saarbrücken zu verwalten, zumal die Kommunalaufsicht immer mehr Druck macht und es die Oberbürgermeisterin sein wird, die in den kommenden Monaten und Jahren nicht drumherumkommen wird, Entscheidungen zu treffen, die nicht gut ankommen werden bei den Saarbrückern. Britz scheint sich Hoffnungen zu machen, ihre Parteifreundin Anke Rehlinger im Kampf um die SPD-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2017 zu schlagen und Ministerpräsidentin werden zu können. Britz will das Nest verlassen. Und die CDU hat offenbar nicht die Absicht, sie mit unbeschmutztem Gefieder in den Wahlkampf fliegen zu lassen.

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