Auf ein Neues!

Von freudlosen Vorhaben sollte man lieber Abstand nehmen, als sie sich aufzubürden, findet SZ-Mitarbeiterin Ruth Rousselange.

Vorsätze, das sind diese Entschlüsse, die man fasst, bevor man die Flasche Champagner köpft, um drauf anzustoßen, dass das Jahr ganz gut war, wie es gewesen ist. Weil alles kam, wie es sollte oder musste. Da waren die Chancen und ungeahnten Möglichkeiten. Die Momente, in denen man dachte, ja, genau das müsstest du mal probieren.
Grandiose Herausforderungen gab es, Wagnisse, Umwege, die man beschritt. Erstaunlich, sie führten zum Ziel. Wenn auch nicht zu einem zuvor gesteckten. So wanderte das Jahr vom Januar zum Februar, vom Februar zum März, vom Frühjahr zum Sommer und vom Herbst zum Winter. Und siehe, es war gut. Ganz ohne unser sonstiges Zutun hatte es offenbar einen Plan. Den entfaltete es zwischen Neujahr, Mittsommer und Frühwinter, um uns gebührend zu überraschen. Überraschung animiert, motiviert, macht kreativ.

Vorsätze, wo wäre da noch Platz gewesen für Vorsätze? Ganz zu schweigen von deren meist eh nicht allzu schleuniger Umsetzung. Im Gegensatz zum produktiven Möglichkeitsfundus, auf den ein zur Un- oder Spätentschlossenheit berufener Charakter stets zurückgreift, impliziert der Vorsatz Festlegung, Ein- und Beschränkung und ist damit per se ermüdend. Meist fasst man ihn aus reichlich diffusen Beweggründen, Langeweile etwa oder schlechtem Gewissen. Es heißt, einen streng ins Visier genommenen Weg zu beschreiten, koste es, was es wolle. Selbst wenn er sich als Irrweg herausstellt oder als Sackgasse und man womöglich droht, ins Gras zu beißen.

Per Definition beinhaltet ja schon das Wort "Satz" an sich was Rigides, das Folgsamkeit verlangt. Nicht besser ist es mit dem Vor-Satz. Was bereits eine bloß lineare Zuwegung verspricht, wird so fürderhin noch minimiert. Der Vorsatz ist der unerotische Stiefbruder des Auswegs. Gut, wenn man erst gar keinen gefasst hat, Prosit 2015!