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So kann’s gehen
Auf ein Bier mit Schaf Elsa

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ungläubiges Staunen erntete unsere Autorin, als sie erzählte, sie habe mitten auf dem St. Johanner Markt ein Schaf vor einer Kneipe gesehen. Nun straft sie alle Ungläubigen Lügen, denn sie traf sich auf ein Bier mit dem Lämmchen Elsa. Von Nora Ernst
Nora Ernst

Ich war neulich ein Bier trinken – mit einem Schaf. Das hatte vielleicht einen Zug drauf. Ich hatte kaum an meinem Glas genippt, da hatte es schon einen halben Liter weggeschlotzt. Nicht schlecht für so einen Dreikäsehoch in Windeln. Das Schaf war nämlich ein Lamm, der halbe Liter war Päppelmilch. Und weil bei so einem kleinen Tier schnell hinten wieder rauskommt, was man vorne reinfüttert, waren die Pampers in der Kneipe unverzichtbar.


Kurz vor Ostern hatte ich das Lämmchen im Vorbeigehen vor dem Saarbrücker Lokal „History“ stehen sehen – und hatte mich in dieser Kolumne gewundert, was es dort verloren hatte. Ob es ein letztes Mal etwas erleben wollte, bevor es an Ostern als Braten endet? Prompt meldete sich Lamm-Mama Charline Wolterstorf, lud mich zu einem Treffen im „History“ ein und versicherte, dass Elsa – so heißt das Schaf-Mädel – wohlauf sei und das auch so bleiben werde. Die Tierarzthelferin aus Homburg hatte von einer befreundeten Schafhalterin erfahren, dass das Kleine nicht bei seiner Mutter trinken wollte, hatte sich ein Herz gefasst und es adoptiert. Und weil so ein Lämmchen alle paar Stunden nach seiner Milch blökt, nahm Wolterstorf es eben überall mit hin: in ihre Wohnung, zur Arbeit, ins „History“. Aufmerksamkeit war ihr damit gewiss („Ist das etwa ein Schaf?“, „Darf man das anfassen?“, „Beißt es?“). Elsa ist ein kleiner Star. Ihr selbst ist das ziemlich schnuppe. Solange ihr Bäuchlein gefüllt ist, sie gekrault wird, bis ihr die Augen zufallen und sie mit Wolterstorfs Hund im Garten Bocksprünge machen darf, ist sie zufrieden.

Als ich Elsa das erste Mal vor dem „History“ sah, war ich überzeugt, dass sie sich im Kneipenmilieu nicht ganz wohlfühlte. Weit gefehlt: Die Fellnase ist einfach nur ein Stubenhocker. Wenn Wolterstorf mit ihr vor die Tür geht, zerrt das Schäfchen an der Leine ziemlich eindeutig wieder Richtung Kneipe. Was soll sie auch draußen, wenn ihre Ersatz-Mama ihr nicht mal erlaubt, zwischen den Autos herumzuhoppeln? Also wieder rein ins Warme. Aber die Zeiten, in denen Elsa ihren Windel-Hintern im „History“ aufwärmen kann, sind bald vorbei. Die Weide ruft! In den nächsten Wochen wird sie nach und nach an ein Leben im Freien gewöhnt. Bald zieht sie endgültig ins Grüne um, gemeinsam mit ein paar Schafen und Ziegen, die bestimmt noch nie eine Kneipe von innen gesehen haben.



Wer sehen möchte, wie Elsa in 40 Sekunden ein Fläschchen Milch verputzt, findet ein Video unter https://bit.ly/2GZCMaT. Dort gibt es auch weitere Fotos von dem Scottish Blackface.

Die kleine Elsa ist jetzt vier Wochen alt.
Die kleine Elsa ist jetzt vier Wochen alt. FOTO: Jörg Wingertszahn