Allerlei Farben

Gestern habe ich es wieder gesehen, das Männchen mit den gelben, blauen und grünen Luftballons, und es hat mich froh gestimmt.

Gesprüht ist es auf eine Wand der Alten Feuerwache am Landwehrplatz und in der Hand trägt der beschwingte kleine Kerl ein Schild, auf dem steht: "Stadt muss bunt". Ein Spruch, so einfach wie wahr, wenn auch grammatikalisch anfechtbar.

Bunt denkt es sich schöner als schwarz-weiß, optimistischer, hoffnungsfroher. Bunt lässt dem Angst-Grau keinen Platz. Es sorgt dafür, dass wir alle zusammen gefeiert haben, Weihnachten und Silvester, draußen auf den Plätzen der Stadt. Dafür, dass wir unbedingt alle zum Schloss wollten und uns auf der alten Brücke drängten, um das Feuerwerk zu bestaunen.

Dass man auch Fremden um zwölf Uhr die Hand gedrückt und ein gutes neues Jahr gewünscht hat. Was jetzt kommt, ist Routine. Es geht daran, die durch reichlich unvorsichtigen Plätzchen- und Kuchenkonsum zugelegten Pfunde wieder wegzujoggen - wenigstens versuchen kann man's ja - ,die letzten abgebrannten Raketen aus Rinnsteinen, Regenrinnen und Vorgärten zu fischen, die Überreste glitzernder Festtagsdeko einzusammeln und ordentlich für kommende Festivitäten zu verstauen.

Und sich so ganz allmählich an den Gedanken zu gewöhnen, dass auch das schönste Feiern mal ein Ende haben muss. Man wagt es kaum zu sagen, aber das Unvermeidliche steht an: Arbeit und ganz normaler, geregelter Alltag und zwar von Montag bis Freitag.

Also wieder ab ins Büro, in der Mittagspause einkaufen gehen, schauen, wer wohl wieder was Nettes mit Botschaft auf eine Mauer oder Briefkasten gesprayt haben mag und sich freuen in dieser Stadt, die für und mit allen bunt ist, auch 2017...

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