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Alle Akteure müssen ihre Gemeinsamkeit betonen

Kommentar : Der OB muss mit allen reden, und der Kuchen muss größer werden

Es ist ein Dilemma. Und tauschen möchte man mit Uwe Conradt nicht. Denn – Politikerschicksal – was immer er auch tut, er wird jemandem auf die Füße treten.

Dieser Fußtritt allerdings könnte weniger willkürlich und schmerzhaft wirken, wenn der OB zuvor alle Fußbesitzer mit gleicher Aufmerksamkeit angehört hätte. Bisher macht das aber  nicht den Eindruck.

Es macht eher den Eindruck, dass hier gerade die so genannte „Ernste“ Muse gegen die so genannte „Unterhaltsame“ ausgespielt wird. Der Pop-Rat, dessen Rat der OB sich angehört hat, ist nicht der Vertreter der freien Kulturszene der Landeshauptstadt.  Er ist ein verdienstvoller Verein, der der Pop-Kultur eine längst überfällige Stimme gibt. Das Netzwerk Freie Szene wiederum ist eine wichtige Stimme der freien Künstlerinnen und Künstler dieser Stadt. Diese Stimme darf ein Oberbürgermeister, auch wenn Kultur vielleicht nicht sein Steckenpferd ist, nicht ignorieren.

Mal abgesehen davon, dass es noch nie gut war, E und U gegeneinander auszuspielen, weil am Ende beide unter die Räder kommen: Den Haupt-„Kontrahenten“ in diesem Spiel wünscht man die Einsicht, dass man gemeinsam stärker wäre. Denn die eigentliche Stoßrichtung, die alle einen müsste ist doch: Es muss mehr Geld für die Kultur in den Topf.

20 Jahre lang waren die Kulturpolitikerinnen und -politiker  der Stadt schon stolz darauf, dass es ihnen gelang, den lächerlichen Betrag von 103 000 Euro wenigstens nicht noch weiter zu kürzen. Damit muss Schluss sein. Eine ernst zu nehmende Kulturpolitik muss dafür kämpfen, dass jetzt, wo vom Bund ja doch ein bisschen mehr Geld an die Kommunen fließen soll, auch die Kultur ein Stück vom Kuchen bekommt. Da könnte ein breites Bündnis von Kulturschaffenden und Kulturunternehmern durchaus etwas erreichen.

Wenn dann der Kuchen größer wäre, könnte man sich ernsthaft und mit allen Beteiligten Gedanken machen über künftige Kriterien und Formen der Kulturförderung. Und darüber dann demokratisch entscheiden.