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Alarmierende Zahlen in Serie – Tausende Schicksale auf der Kippe

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ARRAY(0x9366658) FOTO: Robby Lorenz
Unsere Woche. Seit einer Woche wissen wir: Im Regionalverband (RV) leben rund 10 500 Kinder unter 14 Jahren von Hartz IV. Das klingt nicht schön - gelinde gesagt. Aber so richtig unangenehm wird's in Prozenten. Denn da heißt es: Im RV leben 28,5 Prozent der Kinder von Hartz IV. In den anderen saarländischen Kreisen sind es im Schnitt 13,8 Prozent. Die Hälfte! 2012 waren es in den anderen Kreisen 13 Prozent, im RV knapp 25 - Steigerung im RV also um 3,5 Prozent in vier Jahren. Reife Leistung. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie das weitergeht. Oder liegt es nur am Einzelnen, was er aus seinem Leben macht - egal wie er starten musste? Schon 2012 hat die SZ das fiktive Schicksal eines Jungen geschildert, der in Saarbrücken aufwächst und alt wird - und dabei von der Wiege bis zur Bahre Hartz IV braucht. Die Geschichte basierte auf Fakten aus dem RV. Hier Stichproben: Unser Junge heißt Frank. Wohnt in Burbach. Mutter alleinerziehend, arbeitet vollzeit im Niedriglohnsektor und braucht zusätzlich Hartz IV. Die Hälfte aller saarländischen Hartz-IV-Empfänger lebt im RV. Davon wiederum rund 70 Prozent in Saarbrücken. 2012 gab's im RV rund 7400 Menschen mit Vollzeitjob, die so wenig verdienten, dass sie mit Hartz IV aufstocken mussten. Das waren 27 Prozent der arbeitsfähigen Hartz-IV-Empfänger im RV. Frank macht mittlere Reife. Denn nur rund 13 Prozent der jungen Burbacher wechseln auf ein Gymnasium. In ländlichen Gebieten - wie in Ensheim - sind es 68 Prozent. Frank macht eine dreijährige Lehre, wird nicht übernommen, meldet sich arbeitslos. Seit er 17 ist, wohnt er allein. Deshalb hat er Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG 1). Aber er bekommt so wenig, dass er zusätzlich Hartz IV beantragen muss. Später findet er immer wieder Jobs - und verliert sie nach kurzer Zeit. Es gelingt ihm nicht, innerhalb von zwei Jahren zwölf Monate am Stück sozialversichert zu arbeiten. Also verliert er auch seinen Anspruch auf ALG 1 und muss jedesmal, wenn er arbeitslos wird, Hartz IV beantragen. Damit ist er nicht allein. Im RV gab's 2011 bei einem Drittel aller Arbeitslosmeldungen dasselbe Problem. Später findet Frank für 18 Monate einen Teilzeitjob. Bei dem verdient er aber nicht genug, um sich über Wasser zu halten. Also braucht er weiter zusätzlich Hartz IV. Als er den Job verliert, reicht sein ALG 1 wieder nicht, und Frank muss erneut mit Hartz IV aufstocken. Auch hier ist Frank nicht allein. Im RV gab's 2011 bei 27 000 Arbeitslosmeldungen dasselbe Problem. Frank erreicht die Rente. Weil er viele Jahre im Niedriglohnsektor arbeitete, mehrfach arbeitslos und immer auf Hartz IV angewiesen war, bekommt er nur eine winzige Rente und muss zusätzlich Grundsicherungsgeld (Hartz IV für Rentner) beantragen. Als er pflegebedürftig wird, bezahlt ihm der RV "Hilfe zur Pflege". Und Frank ist nicht der Einzige, dem es so gehen könnte, denn 2012 arbeiteten im RV 22,1 Prozent aller Beschäftigten im Niedriglohnsektor. 1999 waren es noch 17 Prozent. Jörg Laskowski

Alarmierende Zahlen in Serie. Tausende Schicksale auf der Kippe. Wann wollen unsere Politiker diese Probleme angehen? Oder reicht's dafür nicht?