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Kolumne zum Känguru-Film von Marc-Uwe Kling

Kolumne : Beuteltier mag Schnapspralinen

Das Tier hat eine große Klappe und mag Schnapspralinen. Von denen wirft es immer gleich mehrere ein, außerdem ist es kommunistischer Gesinnung, faul, frech, clever und witzig. Derart trocken sind seine Kommentare, man lauscht ganz baff seinen spitzfindigen Frotzeleien.

Das Tier ist nicht irgendein Tier, sondern ein Känguru und nicht irgendein Känguru, sondern Marc-Uwe Klings Protagonist aus den „Känguru-Chroniken“. Wer den Kabarettisten mal gehört hat, wie er die absurdesten Dialoge zwischen seinem Kleinkünstler-Alter Ego und dessen tierischem Mitbewohner nonchalant und stimmvariantenreich vornuschelt, wird ein unstillbares Verlangen nach Känguru-Geschichten entwickeln. Wahrhaftig ist dieser pragmatische, antikapitalistische Beutler die Schlagfertigkeit in langohriger Tiergestalt, ein Meister der irren Rede-Wendung und Zitat-Verkehrung.  Oft blinzelt man irritiert, welche Kurven seine wilden Plappereien nehmen können. Und nun kommt das Känguru also auch ins Kino, Marc-Uwe Kling sei es gegönnt. Im Prinzip weiß ich wenig über diesen Film, Kling hat ihn zusammen mit Regisseur Dani Levy gemacht. Aber eins weiß ich: Anschauen werde ich ihn mir nicht. Ich habe das Känguru sowieso vor meinem inneren Auge, es ist ein Produkt auch meiner Fantasie. Auf ein animiertes Fellbündel kann ich verzichten.  Überhaupt: Das ist mein Känguru! Niemand soll sich ein Bild von ihm machen, als ich selber. Das Geheimnis des Känguru-Erfolges? Vielleicht, dass es so wunderbar un-perfekt ist: diese Besserwisserei, die Gelüste, die anarchische Schläue, das Quertreibertum, die Egozentrik, extrem charismatisch, alles in allem. Fast würde man sagen, menschlich. Bis heute warte ich, dass endlich ein Känguru an meiner Tür klingelt. Ungeöffnet stapeln sich Schachtelberge von Schnapspralinen: „Känguru, falls Du das liest: Jetzt gilt’s, das Schokozeugs wartet! Fardst sie alle pfmamen. Prochenvers!“ (Anmerkung: Das war Känguruisch.)