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Kolumne über Thermo-Kamera in Supermarkt in Saarbrücken

Kolumne : Schmarotzer ohne Beine

Bundesweit berühmt wurde diese Woche ein Saarbrücker Lebensmittelhändler. Er hatte im Foyer seines Marktes eine Wärmebildkamera aufgehängt – deutlich sichtbar und klar beschriftet. Die Kamera sollte feststellen, ob Kunden Fieber hatten.

Die Kamera übertrug ihr Bild per Kabel auf den Laptop eines Sicherheitsmannes. Und wenn der einen Menschen mit erhöhter Temperatur auf dem Schirm hatte, sollte er ihn ansprechen und ihm anbieten, dass der Markt ihm den Einkauf nachhause liefert. Inzwischen ist die Kamera wieder weg. Die Datenschutzbeauftragte Monika Grethel glaubt, dass solche Kameras die Persönlichkeitsrechte der Kunden verletzen. Verständlich wäre, wenn ein Kunde sagt: Wenn man mich derart durchleuchtet und der Sicherheitsdienst mich im Foyer eines Supermarktes auf meine Temperatur anspricht – vor allen andern Kunden und womöglich vor meinen Nachbarn – dann empfinde ich das als entwürdigend. Das wäre dann ein Verstoß gegen Artikel 1 Grundgesetz.

Andererseits ist auch Angst ein entwürdigendes Gefühl, und viele Supermarktmitarbeiter haben derzeit Angst – vor Kunden mit feuchter Aussprache, die womöglich den Virus in sich tragen, ohne es zu wissen. Tja. Der Händler wollte seine Leute schützen und sicher auch seine Kunden. Dabei hat er übers Ziel hinausgeschossen. Aber einer, der Mitarbeiter und Kunden schützen will, sollte uns prinzipiell lieber sein, als einer, dem Mitarbeiter und Kunden wurscht sind – solange nur die Kasse klingelt.

Und was tun wir, um den Supermarktmitarbeiten unseren Respekt zu zeigen und ihre Angst zu nehmen? Masken aufsetzen? Nun glaubt ja manch einer: Viren kennen keine Grenzen – also auch keine Ladentüren – und schon gar keine Mundschutzmasken. Heilige Einfalt! Erinnern wir uns: Viren haben keine Arme und Beine. Sie können nicht zu Fuß gehen, nicht mit dem Fahrrad und schon gar nicht mit dem Auto fahren. Viren brauchen immer einen Wirt, den sie missbrauchen. Sie reisen in seinem Rachen, an seinen Händen, in seinen Körperflüssigkeiten. So. Und wenn der Wirt irgendwo nicht reinkommt, dann muss auch der Virus draußen bleiben.

Ähnlich ist das mit dem Mundschutz. Der Virus bringt den Wirt zum Husten oder Niesen – denn auf dem Luftzug will der Virus sich zum nächsten Opfer schwingen. Doch wenn ein Mundschutz den Luftzug bremst, dann kommt der Virus nicht ans Ziel. Wer das nicht glaubt, der sollte mal ins Bad gehen und aus einem halben Meter Entfernung auf den Spiegel spucken, erst mit Handtuch überm Mund – dann ohne. Selbst unsere Politiker raten uns ja seit dieser Woche „dringend“ zum Mundschutz. Sehr vernünftig. Deshalb wollen wir auch großzügig darüber hinwegsehen, dass dieselben Politiker – allen voran Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – monatelang behauptet haben: Wir sind super vorbereitet. Wahrscheinlich ohne dass sie auch nur einen Blick ins „Bundes-Mundschutz-Masken-Lager“ getan hätten. Oder gibt‘s das gar nicht?