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50. Partnerschaftsjubiläum
Zwei Dörfer feiern ihre Freundschaft

Treffpunkt Freundschaftsbrücke: Von dort sind die Arbeitsplätze des Großblittersdorfer Bürgermeisters Joël Niederlaender (rechts) und seines Kleinblittersdorfer Amtskollegen Stephan Strichertz etwa gleich weit entfernt.
Treffpunkt Freundschaftsbrücke: Von dort sind die Arbeitsplätze des Großblittersdorfer Bürgermeisters Joël Niederlaender (rechts) und seines Kleinblittersdorfer Amtskollegen Stephan Strichertz etwa gleich weit entfernt. FOTO: Heiko Lehmann
Kleinblittersdorf/Großblittersdorf. Groß- und Kleinblittersdorf eröffnen heute mit einem Filmabend das Festprogramm zum 50. Partnerschaftsjubiläum.

Joël Niederlaender, der Bürgermeister von Großblittersdorf, erinnert sich noch gut an die 1950er- Jahre, als es über die Saar nach Kleinblittersdorf noch keine Brücke gab. „Anna Bähr hat damals die Seilfähre über die Saar bedient. 20 Centimes, etwa sieben Pfennig, kostete die Überfahrt, aber die hatten wir Kinder damals nicht. Also mussten wir warten, bis die Fähre nicht so voll war, und dann nahm uns Anna umsonst mit“, sagt Niederlaender. Seine Urgroßeltern stammen aus Auersmacher.


Stephan Strichertz, der Bürgermeister von Kleinblittersdorf, ist auch in seinem Ort groß geworden. „Meine Oma hatte früher ein Elektrogeschäft in der Nähe der Grenze. Es kamen viele Menschen aus Großblittersdorf, sie durften ihre gekaufte Ware aber nicht über die Grenze bringen. Also haben die Franzosen am Tag bezahlt. Und meine Oma hat spät abends immer alles auf die Brücke gebracht und heimlich übergeben“, erzählt er.

Beide schwelgen in Erinnerungen. „Ich habe mir damals eine Kettensäge gekauft, durfte aber nur Sachen über die Grenze bringen, die weniger als 1000 Francs kosteten. Also haben wir die Säge in Saarbrücken auseinandergebaut, und ich habe alles einzeln nach Frankreich gebracht“, sagt Niederländer.



Franzosen und Deutsche an der Oberen Saar haben sich noch nie viel vorschreiben lassen, was das Leben dort angeht. Wieso auch? Mal gehörte die Region zu Deutschland, mal zu Frankreich, mal gab es dort eine Grenze. Die Menschen juckte das wenig, sie waren befreundet und mitunter sogar verwandt. Am 13. Juli 1968 machten Großblittersdorf und Kleinblittersdorf Nägel mit Köpfen und unterzeichneten einen Partnerschaftsvertrag.

50 Jahre ist das also bald her und für beide Gemeinden ein Grund, groß zu feiern. 30 Termine gibt es 2018, um diese Partnerschaft zu feiern. Los geht es heute, am 2. Februar, um 19 Uhr im Veranstaltungssaal Jeux et Loisirs in Großblittersdorf. Dort werden Werke der Kleinblittersdorfer Filmemacherin Lieselotte Fondel gezeigt. Filme, die unter anderem zeigen, wie Anfang der Neunziger die heutige Freundschaftsbrücke gebaut wurde oder wie beide Gemeinden erfolgreich eine Müllverbrennungsanlage verhinderten. Beim Rathaussturm am 9. Februar verteidigen kampferprobte Bürokraten aus beiden Verwaltungen gemeinsam das Kleinblittersdorfer Rathaus gegen die Narren.

Seit eineinhalb Jahren tüftelt eine Arbeitsgruppe an dem ganzjährigen Festprogramm. 50 Vereine machen grenzüberschreitend mit. Es gibt Feste, Konzerte und Sportveranstaltungen. Am 29. April richten die Organisatoren einen gemeinsamen Seniorennachmittag aus. Die Gäste werden bestimmt noch mehr lustige Geschichten aus vergangenen Jahren erzählen.

Die größte Sause steigt am 13. und 14. Juli. Sie beginnt auf den Tag 50 Jahre nach Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde und endet am französischen Nationalfeiertag. An beiden Tagen gibt es das wohl größte grenzüberschreitende Fest, das die Obere Saar je gesehen hat. Es wird in beiden Orten gefeiert, auf der Freundschaftsbrücke, an und auf der Saar mit Drachenbootrennen und vielen anderen Aktivitäten. Die deutsch-französischer Freundschaft besteht an der Oberen Saar eigentlich schon immer, doch jetzt ist das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft der Anlass, mal so richtig zu demonstrieren, was grenzüberschreitende Zusammenarbeit bedeutet.

Werke der inzwischen verstorbenen Filmerin Liselotte Fondel zeigen heute Abend das Miteinander auf beiden Seiten der Grenze.
Werke der inzwischen verstorbenen Filmerin Liselotte Fondel zeigen heute Abend das Miteinander auf beiden Seiten der Grenze. FOTO: Heiko Lehmann