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Züchterglück mit Floribunda

Sitterswald. Gerüche wie im Paradies liegen in der Luft. Hier mal etwas kräftig, aber dennoch ganz sanft, dann mal feurig und anregend. Ein paar Schritte weiter schnappt die Nase einen zarten und ebenso wohlriechenden Hauch auf. Würden gebratene Tauben durch die Luft fliegen, wäre es wohl das Paradies.So ist es "nur" der Garten von Karl-Heinz Michler in Sitterswald Von SZ-Mitarbeiter Heiko Lehmann

Sitterswald. Gerüche wie im Paradies liegen in der Luft. Hier mal etwas kräftig, aber dennoch ganz sanft, dann mal feurig und anregend. Ein paar Schritte weiter schnappt die Nase einen zarten und ebenso wohlriechenden Hauch auf. Würden gebratene Tauben durch die Luft fliegen, wäre es wohl das Paradies.So ist es "nur" der Garten von Karl-Heinz Michler in Sitterswald. 700 Rosen aus 200 Sorten blühen zur Zeit im Garten des Hobbyzüchters. "90 Sorten geben einen Einblick in die Vielseitigkeit heutiger, moderner Rosen. 35 Sorten sind historisch und 75 Sorten kommen aus der eigenen Züchtung", erzählt Karl-Heinz Michler, der in diesen Tagen auf eine seiner Rosen-Kreationen ganz besonders stolz ist. Eine noch namenlose Floribunda-Neuzüchtung hat beim 58. Internationalen Rosenneuheiten-Wettbewerb in Baden-Baden in diesem Jahr die Bronzemedaille gewonnen.Rund 120 Rosenexperten aus 13 Ländern nahmen an dem Wettbewerb teil. Karl-Heinz Michler aus Sitterswald wurde Dritter. "Ich weiß noch nicht, wie ich die Rose nennen werde. Das fällt mir irgendwann sicher ein", sagt der 79-Jährige, der nicht allen Rosen einen Namen gibt. "Das sind zu viele. Ein paar heißen wie meine Kinder, andere wie meine Enkelkinder", sagt Michler beim Spazieren durch seinen nahezu unglaublichen Garten. Ein Rose heißt "Röder-Rose", die Michler für den ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder züchtete. Eine andere heißt "Saarbrücker Charme", eine Kreation anlässlich der 1000-Jahr-Feier Saarbrückens. Ganz besonders stolz ist der 79-Jährige auf die "Wilhelm May", benannt nach Michlers Lehrmeister. "Diese Rose vereint einen kräftigen Duft und eine flammend rote Farbe. Zehn Jahre habe ich gebraucht, bis ich zu dem Ergebnis kam", erzählt Michler, der 1946 bei Wilhelm May in die Gärtnerlehre ging. Es folgte die Gesellenprüfung, später der Gärtnermeister und 1964 der Umzug nach Sitterswald, wo ihm seine Frau Wilma ein Buch über Rosen schenkte. "Das Buch war der Auslöser. Als ich es gelesen hatte, habe ich mir die ersten Rosen in den Garten geholt und später angefangen zu züchten", sagt der Rentner aus Sitterswald, der täglich Stunden in seinem Garten verbringt. Michlers Frau hat übrigens nichts gegen das Hobby ihres Mannes. "Welche Frau würde sich gegen einen solchen Garten wehren. Ich schreibe Gedichte oder kleine Geschichten über die Rosen. Die Rosen bereiten uns viel Spaß", sagt Wilma Michler, die stolz auf die erste prämierte Rose ihres Mannes ist.Neun Jahre hat Hobbyzüchter Karl-Heinz Michler gebraucht, bis die ausgezeichnete Floribunda-Züchtung reif für den Wettbewerb war und der Sitterswalder die Profi-Züchter aus der ganzen Welt in die Schranken verwies. 500 neue Rosen züchtet Michler in jedem Jahr. Doch nur drei oder vier schaffen es in den Traumgarten. "Man erkennt sofort, ob die Rose etwas wird. Das kann man aber nur schwer erklären, da ist viel Intuition dabei", sagt der 79-Jährige, der aufgrund seines stolzen Alters von seinen Kindern und Enkelkindern schon eine Verkleinerung seines 2000 Quadratmeter großen Gartens ans Herz gelegt bekam. "Das ist die Idee von meinen Kindern", sagt Michler, schmunzelt und riecht mit aller Leidenschaft an seiner preisgekrönten Rosenkreation.