„Wir stoßen an unsere Grenzen“

Ende 2016 sollen 220 Flüchtlinge in Kleinblittersdorf eine neue Heimat haben. Deshalb richtet sich die Verwaltung auf den Umbau weiterer Gemeinde-Immobilien ein. Und das ist nicht die einzige Herausforderung.

97 Flüchtlinge hat die Gemeinde Kleinblittersdorf aufgenommen. Bis Ende des Jahres dürften 23 dazukommen. "2016 sollen weitere 16 000 Flüchtlinge ins Saarland kommen. Davon muss die Gemeinde noch etwa 100 aufnehmen", sagte Bürgermeister Stephan Strichertz am Dienstag beim Infoabend zum Thema Flüchtlinge im Bliesransbacher Dom. "Wir stoßen definitiv schon an unsere Grenzen und müssen uns überlegen, wie wir das Problem der Unterbringung lösen", sagte Strichertz. Für 30 Männer aus Syrien wird die ehemalige Grundschule Bliesransbach umgebaut. Sie ziehen Anfang Februar 2016 ein. 220 000 Euro kostet der Umbau, 70 000 Euro muss die Gemeinde zahlen, der Rest kommt vom Land. Schlaf- und Aufenthaltsräume, Küchen und Bäder lässt die Verwaltung bauen oder erneuern. 30 Bürger waren am Dienstag im Dom.

"Ist für die Männer eine Beschäftigung organisiert, damit sie nicht nur im umgebauten Haus sitzen? Ich glaube nicht, dass ein Fernseher für 30 Menschen reicht", fragte ein Mann. Eine Frau wollte wissen, ob es möglich sei, die Flüchtlinge in Firmen an der Oberen Saar zu integrieren. Strichertz: "Wir erarbeiten eine mehrsprachige Broschüre für die Flüchtlinge , damit sie sehen, wo es Freizeitangebote und anderes gibt. Mit Unternehmen stehe ich in engem Kontakt und weiß, welche Qualifikationen die Flüchtlinge brauchen. Dabei ist die Sprache das größte Problem." Strichertz holte zum generellen Lob für die Bürger der Gemeinde aus. Vor allem in Bliesransbach und Auersmacher, wo etwa 80 Prozent der Flüchtlinge leben, kümmern sich Ehrenamtliche und Vereine um die Flüchtlinge . Ehemalige Lehrerinnen geben Deutschunterricht. In Auersmacher waren die neuen Bürger ins Backhaus eingeladen. Vorige Woche boten die Bliesransbacher ein Kennenlerntreffen für 80 Personen mit Kaffee, Kuchen und Musik in der evangelischen Kirche an. "Es ist überwältigend, wie sich vor allem Auersmacher und Bliesransbacher um Flüchtlinge kümmern", sagte Strichertz.

Dennoch stehe die Gemeinde 2016 vor massiven Problemen. Wohin mit den etwa 100 weiteren Flüchtlingen? "Wie in Bliesransbach könnte die ehemalige Grundschule Sitterswald umgebaut werden. Auch die leere Ruppertshof-Gaststätte in Auersmacher ist Thema. Zur Not muss die Gemeinde zusätzlich Häuser kaufen", sagte Strichertz. Die Musikschule müsste demnach aus der Grundschule Sitterswald nach Kleinblittersdorf ziehen. "Ich wohne 50 Meter von der Musikschule weg. Dorthin gehen meine drei Kinder. Muss ich die dann zweimal pro Woche nach Kleinblittersdorf fahren?", fragte ein Mann. "Ja, wenn der Umbau in Sitterswald kommt", sagte der Bürgermeister. Gefragt, was wäre, wenn er sagt: "Wir können keine Flüchtlinge mehr aufnehmen", antwortete Strichertz: "Dann kommt ein Bus mit den uns zugewiesenen Flüchtlingen aus Lebach, lädt sie am Rathaus ab und fährt. Fakt ist, dass wir humanitäre Hilfe leisten und die Anforderungen erfüllen wollen."

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