Warum das Freibad in Kleinblittersdorf noch existiert

Porträt : Viel Fleiß für das Kleinblittersdorfer Bad

Als das Gerücht über das Ende des Freibades aufkam, packten Ulrike Niederländer und weitere Stammgäste mit an.

Es war ein toller Sommertag im Jahr 2015 im Kleinblittersdorfer Freibad. Ulrike Niederländer war eine von vielen Badegästen, die entspannt ihre Bahnen zog. „Ich habe während des Schwimmens plötzlich das Gerücht gehört, dass das Freibad geschlossen werden soll. Es verbreitete sich an jenem Nachmittag wie ein Lauffeuer im Bad“, erinnert sie sich. Bereits 2011 gab es das Gerücht, dass das Kleinblittersdorfer Hallenbad zumachen soll. Ein Jahr später hatte der Gemeinderat tatsächlich das Ende des Hallenbades beschlossen. „Wir waren im Jahr 2015 sofort alarmiert und wurden aktiv. Wir haben mehr als 1000 Unterschriften für den Erhalt des Bades gesammelt und die Mappe mit drei Leuten beim Bürgermeister vorbeigebracht“, blickt Niederländer zurück.

Das Freibad schloss im Sommer 2015 gleich mehrmals, da Teile des Beckenrandkopfes wegbrachen und erneuert werden mussten. Bürgermeister Stephan Strichertz und die lokale Politik reagierten auf das Engagement der Bürger. Es wurde Geld in den Gemeindehaushalt eingestellt und alle notwendigen Reparaturen erledigt. Die Bürger wollten nicht tatenlos zusehen. Schnell wuchs die Gruppe der Hilfsbereiten auf 50 Menschen an, und der Förderverein Kleinblittersdorfer Freibad wurde gegründet – an der Spitze die Vorsitzende Ulrike Niederländer.

Der Verein half bei den Renovierungsarbeiten im Bad und pflanzte Blumen und Sträucher. „Einer alleine kann das alles gar nicht stemmen. Wir sind eine große Gruppe von Menschen, die sehr gern und sehr viel hilft. Ich organisiere gern und kann gut mit Menschen umgehen. Darum habe ich mich entschieden, den Vorsitz zu übernehmen“, erzählt Niederländer, die täglich für den Verein im Einsatz ist. „Ich arbeite nicht mehr und kann mich um alles kümmern. Mit einem Beruf würde das gar nicht funktionieren“, sagt die 68-Jährige. Der Verein sammelte Spenden und stampfte einige Feste aus dem Boden, um Geld in die Vereinskasse zu spülen. Die Ostereiersuche, der Tag des Schwimmens, das Sommerfest und das Hundeschwimmen am Saisonende haben sich in nur wenigen Jahren etabliert. „Schauen sie sich um, alle sind mit Freude am Arbeiten. Wir haben an den zwei Tagen 50 Helfer im Einsatz“, sagte Niederländer am vergangenen Wochenende während des zweitägigen Sommerfestes im Freibad.

Mit dem eingenommenen Geld und den Spenden verschönert der Verein das Bad. Die jahrelang kaputte Uhr funktioniert wieder, das Babybecken hat mittlerweile einen Sonnenschirm, das Nichtschwimmerbecken eine Rutsche, und zwei neue Umkleidekabinen sowie ein Tischfußball wurden auch angeschafft. „Ich kenne kein Bad, das so schön in der Landschaft liegt, wie unseres. Wir machen alles dafür, dass wir noch sehr lange Spaß an unserem Freibad haben“, betont die Ur-Kleinblittersdorferin, die seit der Bad-Eröffnung vor 49 Jahren Stammgast ist.

Im kommenden Jahr wird das Freibad 50 Jahre alt. Der Verein möchte das groß feiern. „Es wäre so toll, wenn ganz viele Vereine aus Kleinblittersdorf mitmachen. Beim Sommerfest in diesem Jahr sind schon viele Vereine dabei. Wir revanchieren uns dafür und helfen, wenn diese Vereine eine Feier haben. Wir können so vielleicht wieder eine schöne Dorfgemeinschaft aufbauen“, sagt die Nichte des ehemaligen Bürgermeisters von Kleinblittersdorf, Robert Jeanrond.

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