Vor dem Flammentod gerettet

Gräfinthal. Man sollte im Leben vorsichtig sein mit dem Ziehen voreiliger Schlüsse. Oftmals wirken die Dinge auch anders, als sie hinterher sind. Manchmal passt alles auch einfach so gut zusammen, dass man hinterher etwas glaubt, was man gerne wahr haben will. Doch Vorsicht: In derartigen Sichtweisen liegt nicht nur Risiko, sondern auch Gefahr

Gräfinthal. Man sollte im Leben vorsichtig sein mit dem Ziehen voreiliger Schlüsse. Oftmals wirken die Dinge auch anders, als sie hinterher sind. Manchmal passt alles auch einfach so gut zusammen, dass man hinterher etwas glaubt, was man gerne wahr haben will. Doch Vorsicht: In derartigen Sichtweisen liegt nicht nur Risiko, sondern auch Gefahr. Und dass dies keinesfalls neu ist, bewies am vergangenen Wochenende an drei Abenden das Gastspiel des Kultur- und Trachtenvereines Bliesransbach auf der Gräfinthaler Naturbühne. Dort wurde nach der erfolgreichen Premiere vor zwei Wochen im Kleinblittersdorfer Ortsteil "Der letzte Hexenprozess von Ransbach", ein Schauspiel in zwei Akten von Theodor Follmar, aufgeführt. Und von Anfang an wurde dem Besucher deutlich: Das, was da am Ende des 16. Jahrhunderts im Umgang mit "Hexen" geschah, hat auch heute noch Gültigkeit. Da ist das Volk von Ransbach, welches die Hexe Bärbel Kalle (Sandra Worthmann-Follmar) am liebsten sofort auf dem Scheiterhaufen brennen sehen möchte. Auch der verurteilungsgierige Staatsanwalt oder Profoss (Stefan Klopp) hetzt die ganze Meute auf: Für ihn gibt es nur schwarz und weiß. Und dann die Beweislast. Der Zeuge Schulze Meyer will merkwürdige Dinge gesehen haben, die er Bärbel zuschustert: Brände und gar einen Pakt mit dem Teufel, mit dem sie gemeinsame Sache mache. Auch der Dorfpolizist Büttel (Dietmar Petry), lässt an ihr kein gutes Haar. "Verbrennt die Hexe", ruft dann auch ungeduldig der Pöbel und hetzt weiter auf. Verstärkt durch die diversen modernen Schautänze und aktuelle Musik von Unheilig, entstand eine angespannte Atmosphäre auf der Bühne, bei der man befürchten konnte, gleich geht der Scheiterhaufen an und Bärbel in Flammen auf. Doch deren Geliebter Florian (Daniel Worthmann) taucht auf und hat für alles plausible Erklärungen. Er setzt gar noch eines drauf und bringt als Verteidiger den Mönch von Gräfinthal (Marcel Hensgen) mit, der allen den Spiegel vorhält. "Ich sage Euch, was ich sagen muss", versichert er den Juristen. Und geht hart mit dem Profoss ins Gericht. Seine Anklageschrift sei Teufelsdreck. Er verwies vielmehr auf das Gebot, nicht zu töten. Sie haben sich alle täuschen lassen. Die bereits gefolterte Angeklagte ist gar kein Unmensch wie alle glauben. Da lassen sich auch die Schöffen überzeugen und stimmen mehrheitlich für die Unschuld der Bärbel. Doch der Staatsanwalt lässt nicht locker, fordert weiterhin den Tod der Bärbel Kalle. Pfui!-Rufe aus dem Publikum brachten ihn auch davon nicht ab. Doch auch damals gab es ein Happy End: "Die Bärbel Kalle lasset frei", forderte der Richter (Armin Follmar). Bärbel und Florian waren wieder vereint. Hätte sich der Geliebte nicht durchsetzen können, wäre sie tot. Und das grundlos. "Geboren um zu leben", der Unheilig-Titel, rüttelte nicht nur wach, sondern sensibilisierte für so manches Vorurteil. Es ist nicht immer alles, wie es scheint. Zum Glück setzte mit diesem letzten Prozess auch in Ransbach das Umdenken ein.