Porträt : Ein Beispiel für eine perfekte Integration

Ohne den gebürtigen Burbacher Hans-Jürgen Jung wäre das Vereinsleben in Sitterswald viel ärmer.

Wenn Menschen ihren Wohnsitz wechseln und in eine neue Heimat ziehen, beklagen sie sich nicht selten darüber, dass die Integration nur mangelhaft verläuft oder dass ihnen als Fremde nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Viele befürchten von Anfang an eine Außenseiterrolle. Hans-Jürgen Jung ist vor 20 Jahren mit seiner Familie von Burbach nach Sitterswald an die Obere Saar gezogen. Er sieht sich mittlerweile als Sitterswalder, hat seine neue Heimat lieben gelernt und möchte nicht mehr weg.

Er hat ein relativ einfaches Rezept für eine optimale Integration: „Man muss etwas machen, so einfach ist das. Man kann nicht erwarten, dass das neue Umfeld alles für einen macht. Das hätte ich in jedem anderen neuen Ort auch gemacht. Zudem bringe ich mich sehr gerne ein, wo ich kann“, sagt der 67-Jährige.

Seine kleine Tochter tanzte bereits im ersten Jahr im Sitterswalder Karnevalsverein „Die Kappeskepp“ und deshalb schloss sich auch der Papa dem Verein an. Er half überall mit und wurde schon nach fünf Jahren zum neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt. „Der Verein stand damals vor einem Neuanfang. Viele junge Menschen kamen in den Verein, die die Vereinsführung auch irgendwann übernehmen sollten. Das hat geklappt, heute ist aus den Kappeskepp wieder ein toller Verein geworden, der richtig aufblüht“, sagt Jung, der insgesamt zehn Jahre Vorsitzender der Faasebooze war.

Ich diesem Frühjahr wählten ihn die Mitglieder des Sportvereins (SV) Sitterswald zum neuen Vorsitzenden. Es war ein Meilenstein in der Geschichte des SV, denn nie zuvor wurde der Verein von Volleyballern geführt. Der gesamte geschäftsführende Vorstand besteht aus Volleyballern. „Wir haben den Verein bewusst übernommen“, sagt der Hobby-Volleyballer, der erst im zarten Alter von 61 Jahren mit dem Volleyballspielen anfing. „Ich hatte einfach Lust darauf. Wir haben eine tolle Gruppe von Hobbyspielern, die sich regelmäßig trifft. Da spielen Männer und Frauen und Jung und Alt zusammen und es geht in erster Linie um den Spaß. Das gefällt mir“, erzählt der Rentner und ehemalige Fernfahrer.

Bislang wurde der SV Sitterswald, in dem es die Sparten Volleyball, Tischtennis, Turnen und Fußball gibt, ausschließlich von Fußballern geleitet. Doch mit dem deutschen Traditionssport Nummer eins ging es in den vergangenen Jahren in Sitterswald stetig bergab. Aktuell gibt es nur noch 16 aktive Spieler, die eine Mannschaft für den Ligabetrieb stellen. Ohne den sehr engagierten Trainer Volker Wannenmacher gäbe es schon lange kein Fußball mehr im kleinsten Ortsteil der Gemeinde Kleinblittersdorf. Das wissen die Sitterswalder.

Der Aufbau einer neuen Nachwuchsabteilung für die Fußballer und die Tischtennisspieler steht auf dem Plan. Bleibt bei so viel Vereinsleben eigentlich noch Zeit für andere Hobbys?

„Ja, ich bin noch im Vorstand des Heimat- und Verkehrsvereins und im Vorstand der SPD. Ich bin auch Mitglied im Ortsrat. Das alles sind meine Hobbys. Ich mag das alles sehr“, berichtet Hans-Jürgen Jung von einer nahezu perfekten Integration in seine neue Heimat Sitterswald.