| 20:49 Uhr

„junge bühne“ Auersmacher
Vom Lachen, das im Halse stecken bleibt

„E scheeni Bescherung“ ist ein Klassiker der „jungen bühne“: Diese Aufnahme von 2011 zeigt Gisela Walter und Hans-Josef Fey in Aktion.
„E scheeni Bescherung“ ist ein Klassiker der „jungen bühne“: Diese Aufnahme von 2011 zeigt Gisela Walter und Hans-Josef Fey in Aktion. FOTO: Roger Paulet
Auersmacher. Theaterverein „junge bühne“ verspricht Komödien mit Tiefgang. Es geht um Flirts mit Folgen. Beinbruch inbegriffen.

In die Stille dringt Kinderlachen aus den Klassen der benachbarten Grundschule ins Kleine Theater. Es ist in der Straße Auf dem Bies das Zuhause der „jungen bühne“ Auersmacher. Josef Lang sitzt an diesem Morgen am Regietisch vor der leeren Bühne. Regale und eine Kamin-Attrappe stehen um den großen Orientteppich. Noch drei Aufführungen, drei Wochenend-Abende lang, soll diese Bühne alles andere als still sein. Sie wird Schauplatz einer Komödie mit Ecken und Kanten, „Wie man fällt, so liebt man“ von Donald R. Wilde. Darin kämpft ein alter Mann um die Freiheit, sein Leben zu gestalten. Es gerät aus den Fugen, als der Witwer mit einer Kontaktanzeige der Einsamkeit entkommen will. Er verabredet sich mit einer Dame und stolpert beim Rendezvous geradewegs in einen Beinbruch. Jetzt setzen ihm die ach so gut gemeinten Einmischungen seiner Söhne genauso zu wie die resolute Haushälterin, die sie ihm ungefragt gesucht haben.



Hauptdarsteller Lang (73) will diesen alten Mann wie schon am Premierenwochenende nicht zum Gag-Lieferanten degradieren. Er sucht den Balanceakt zwischen der Komik des Augenblicks und dem Tragischen, das in jedem Scheitern steckt. „Die Leute müssen immer damit rechnen, dass sie gerührt zum Taschentuch greifen, obwohl sie gerade drauf und dran waren, in Lachen auszubrechen“, sagt Lang. Das schlichte Hangeln von Lacher zu Lacher ist nicht sein Ding. Ihm, aber auch den anderen Regisseuren im Team, geht es um Stücke mit Aussagen, die ihre Adressaten tief im Herzen erreichen. „Dafür müssen wir viel lesen. Außerdem nutzen wir, Regisseure wie Darsteller, die Fortbildungsangebote des Bundes Deutscher Amateurtheater.“

Das Wichtigste sei, sagt Lang, dass Stück und Ensemble zusammenpassen. „Ich muss wissen, was ich mit meinen Leuten auf die Bretter bringen kann, die für uns die Welt bedeuten.“ Es folgen meist um die sechs Monate Probenarbeit.

Routiniers wie Lang und Gilbert Messner oder auch talentierte Nachwuchs-Spielleiter setzen auf die Methode, von Probe zu Probe mehr herauszuholen, aus den Darstellern und dem Stück. Dann und wann aber ziehen Lang und die anderen nach zwei, drei Monaten die Notbremse und verzichten auf eine Inszenierung.

Lang schwärmt von der Bereitschaft, der etwa 40-köpfigen Bühnenmannschaft, sich in eine Inszenierung hineinzuarbeiten. Kommt Altes wieder auf den Spielplan, ist neues Nachdenken gefragt über Charaktere, Gesten, Mimik. „SeIbst an unserem Klassiker ,E scheeni Bescherung’ fielen mir nach zwölf Jahren Dinge auf, die ich so noch nie gesehen habe“, sagt Lang.

Möglichkeiten bietet die „junge bühne“ auch jüngeren Regisseuren im Team. Sebastian Wagner (30) und Felix Unold (25) führen im April dreimal die Komödie „Der Flaschengeist“ auf. Es geht um einen streng katholischen Unternehmer, der eine muslimische Flüchtlingsfamilie aufnimmt. Als die Tochter des Firmenchefs sich in den Sohn der Gastfamilie verguckt, ist der Hausherr außer sich. Aber dann greift ein Flaschengeist ein ... Lang ist sicher: Dieses Stück wird ebenso kritisch wie komisch daherkommen.

Und es soll gerade deshalb, wie die Komödie an diesem Wochenende, im besten Sinne unterhalten.

Termine für „Wie man fällt, so liebt man“: Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. Januar, ab 19.30 Uhr. Kartenbestellung: Montag bis Freitag, 11 bis 13 Uhr, Tel. (0 68 05) 75 89. Vorverkauf auch bei Tabak Oberbillig, Ruppertstraße 51. Preise: elf Euro für Erwachsene und fünf Euro für Kinder bis 14 Jahre.

Josef Lang (links) und Gereon Schäfer bringen in der Komödie „Wie man fällt, so liebt man“ einen Vater-Sohn-Konflikt rüber.
Josef Lang (links) und Gereon Schäfer bringen in der Komödie „Wie man fällt, so liebt man“ einen Vater-Sohn-Konflikt rüber. FOTO: Roger Paulet